01/03/2010

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Russland: Polyethylen-Hersteller behalten Wachstumskurs bei

Hersteller Salawatnefteorgsintes will Kapazitäten 2010 verdreifachen

Das Geschäftsjahr 2009 war das Schwierigste der vergangenen Dekade. Dennoch haben Russlands Polyethylen-Hersteller (PE) die Produktion um ein Zehntel gesteigert, die Auslastungsgrade der Unternehmen waren und sind beachtlich hoch. Der Export von Polyethylen hat sich 2009 sogar verdoppelt. Dank massiver Investitionen in die Erweiterung der Kapazitäten und gezielter Qualitätssteigerungen spielt Russland mittlerweile in der ersten Liga. Mehr noch: Es ist sogar eine Reihe weiterer Investitionen geplant. (Kontaktanschrift)

Die Nachfrage nach Polyethylen in Russland ist 2009 zwar um über 12% auf 1,31 Mio. t zurückgegangen. Russische Hersteller blicken trotzdem auf ein sehr solides Geschäftsjahr zurück. Die Auslastungsquote der Branchenunternehmen lag bei durchschnittlich 82,4%. Dies liegt vor allem an den stark gestiegenen Exporten. Ein Drittel ihrer Produkte verkauften russische PE-Produzenten im Ausland. Hauptabnehmer mit knapp 59% war 2009 die Volksrepublik China, gefolgt von der Ukraine (18,3%), der Türkei (6,1%) und Kasachstan (5,1%). Dabei setzte Russland insbesondere minderwertigeres PE niedriger Dichte im Ausland ab. Ihre Exportchancen in Asien nehmen vor allem jene Hersteller wahr, deren Werke nahe der chinesischen Grenze liegen, so etwa Tomskneftechim (ein Unternehmen der Sibur-Holding).

Die Importe hingegen sanken 2009 um den Faktor 1,2 und beschränkten sich überwiegend auf besonders hochwertiges oder Spezial-PE, das in Russland nicht oder nur in zu geringen Mengen produziert werden kann, wie etwa Hart-Polyethylen oder lineares Weich-PE. Hauptlieferländer sind Finnland, Südkorea und Belarus, aber auch die Niederlande, Usbekistan und Frankreich.

Die Chancen, dass Russland seine Position als wichtiger Exporteur des thermoplastischen Kunststoffs hält, stehen gut. Denn 2010 will das Unternehmen Salawatnefteorgsintes die Kapazitäten von 45.700 auf 165.700 t erhöhen. Bereits 2009 brachte eine Groß-Investition neue Impulse für den heimischen, aber auch den Exportmarkt: OAO Nischnekamskneftechim nahm eine neue Anlage für 230.000 t PE pro Jahr in Betrieb.

Erstmals übertraf 2009 die Produktion von und die Nachfrage nach Polyethylen hoher Dichte den Ausstoß und den Absatz von PE niedriger Dichte. Über 50,5% des russischen PE-Outputs entfielen 2009 auf dieses harte Polymer. Farez Kilzie, Präsident der Marktforschungs- und Chemieberaterfirma Creon, führt dies auf gestiegene Qualitätsansprüche bei den Weiter- und Tiefenverarbeitern zurück. Rund 55% des in Russland nachgefragten Polyethylens entfallen mittlerweile auf dieses Polyolefin, mit dem Getränkeflaschen, Verpackungen und Haushaltswaren hergestellt werden.

Trotz massiver Investitionen in neue Anlagen kann Russland die Nachfrage nach linearem Polyethylen niedriger Dichte (LLD-PE) noch nicht selbst decken und ist daher auch weiterhin auf Importe angewiesen. Im Jahr 2009 wurden gerade einmal 37.000 t linearen Polyethylens hergestellt. Die Nachfrage stieg aber um 15% auf 112.000 t.

Die PE-Abnehmerbranchen entwickelten sich sehr unterschiedlich. Am stärksten ging die Nachfrage bei den Maschinenbauern zurück, aber auch Kabelhersteller sowie Produzenten von Isolierungen für Kabel und Metallröhren schränkten zu Krisenzeiten ihre PE-Einkäufe ein. Während 2008 noch Verpackungshersteller die wichtigsten Abnehmer der PE-Branche waren, belegten 2009 die Hersteller von Folien den ersten Platz unter den Polyethylen-Weiterverarbeitern.

Insgesamt entwickelte sich die PE-Branche 2009 vergleichsweise gut, und zwar auch deswegen, weil die Abnehmerpreise in Russland weitestgehend unter denen in Europa oder Asien lagen. Trotzdem waren die Margen russischer Produzenten wegen der niedrigen Preise für den Ausgangsstoff Ethen immens.

Allerdings treiben einige Hersteller seit Jahresbeginn 2010 die Preise gewaltig in die Höhe: Allein im Januar stiegen die Preise für Weich-Polyethylen um ein Viertel, die für Hart-PE um 6,2% und befinden sich seither über dem asiatischen und westlichen Niveau. "Mit einer Reaktion auf geänderte Marktverhältnisse hat das nichts zu tun", kritisierte Farez Kilzie auf der 7. Internationalen PE-Konferenz Mitte Februar 2010 in Moskau. Im Gegenteil: Die Hersteller versuchten damit vielmehr andere, weniger lukrative Produktionszweige zu subventionieren oder Schulden abzutragen. Die Leidtragenden dieser Preisgestaltung seien die Weiterverarbeiter, so Kilzie. Auf sie wälzten die Hersteller im Augenblick die eigenen Probleme ab.

In Russland entfallen rund 90% aller PE-Additive auf Zusatzstoffe zur Färbung des Polyolefins. Der Markt für diese Farbkonzentrate wuchs von 2007 auf 2008 um rund 10% auf 30.000 bis 32.000 t, sagte Polieksim-Direktor Andrei Potapow auf der Creon-Konferenz. Die Nachfrage dürfte im Folgejahr 2009 aber wieder auf das Niveau von 2007 gefallen sein. Das Marktvolumen, so Potapow, habe unterschiedlichen Angaben zufolge 25.000 bis 30.000 t betragen. Russische Produzenten decken lediglich 30% des heimischen Bedarfs für PE-Zusätze und -Farbstoffe, den Rest bedienen ausländische Anbieter.

Sie vertreiben ihre Zusätze entweder über Distributoren im größten Flächenland der Erde, übernehmen einen einheimischen Produzenten oder gründen ein eigenes Werk. Die letzte Variante haben etwa Amraset und das Wiener Unternehmen Gabriel-Chemie gewählt. Der deutsche Clariant-Konzern hat den russischen Hersteller Evromaster (Euromaster) übernommen. Des Weiteren sind die ausländischen Unternehmen Global Colors sowie Stalker mit Produktionsstätten am Markt vertreten.

Vor der Krise wuchs der Markt für PE-Additive jährlich um 10 bis 15%, seit 2008 haben sich die Vorzeichen umgedreht. Das erhöht den Konkurrenzdruck auf einem mittlerweile auch von ausländischen Anbietern umkämpften Markt. Vor allem die Automobilindustrie und die Bauwirtschaft schwächelten, einzig der Bereich Verpackungen und Folien bleibe halbwegs stabil, sagte Potapow.

Kontaktanschriften:
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Tel.: 007 495/797 49 07, Fax: -938 00 08
www.creon-online.ru
Ansprechpartner für deutsche Firmen: Fares Kilzie (Präsident, fk@creon-online.ru)

OAO Nischnekamskneftechim
Nischnekamsk, 423574 Republik Tatarstan
Tel.: 007 8555/37 70 65, Fax: -37 93 09
nknh@nknh.ru, www.nknh.ru

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Tel./Fax: 007 843/533 99 52
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