10.08.2010

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Süd-Korea: Kunststoffindustrie erfreut sich soliden Wachstums

Die koreanische Kunststoffindustrie hat die Wirtschaftskrise zum Jahreswechsel 2008/09 hinter sich gelassen. Seit dem 2. Quartal 2009 steigen dank der freundlicheren gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sowohl die Produktion als auch die Ein- und Ausfuhren. Von den Abnehmerbranchen im Inland gehen wieder Wachstumsimpulse aus. Vor allem die Elektronik- und die Kfz-Industrie treiben Investitionen in der Kunststoffindustrie an. (Kontaktanschriften)

Korea (Rep.) ist nach den USA, der VR China, Deutschland und Japan einer der weltweit größten Hersteller von Standardkunststoffen und weist in diesem Bereich hohe Exportquoten auf. Bei technischen Kunststoffen hat das Land noch Nachholbedarf und ist auf Importe angewiesen, hat sich aber auch dort mittlerweile als ein wichtiger Produzent etabliert.

Mit einem Anteil von 3,0% an der Gesamtproduktion des verarbeitenden Gewerbes nahm die Kunststoffverarbeitung 2008 in Südkorea eine wichtige Stelle in der chemischen Industrie ein. Der Umsatz der inländischen Hersteller von Halb- und Fertigwaren aus Kunststoff stieg auf 33,8 Bill. Won (rund 21 Mrd. Euro, 1 Euro = 1.606 Won - Jahresdurchschnitt 2008), ein Plus von 11,2% gegenüber dem Vorjahr. Zu den wichtigsten Segmenten zählen Kunststoffprodukte für den Maschinenbau sowie Erzeugnisse aus Primärkunststoffen. Wie auch in anderen Branchen ist die Fertigung zum Jahreswechsel 2008/09 eingebrochen, hat sich jedoch schnell wieder erholt. Die Kunststoffindustrie profitiert dabei von der guten Konjunktur der Abnehmerbranchen wie der Elektronik- und der Kfz-Industrie.

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Der Außenhandel mit Kunststoffen und Kunststofferzeugnissen (SITC 58, 893) ist insgesamt ausgeglichen. Einfuhren in Höhe von 4,58 Mrd. US$ (+3,2% verglichen mit dem Vorjahr) standen 2009 Ausfuhren von 4,47 Mrd. $ (-4,5%) gegenüber. In den ersten fünf Monaten von 2010 legten die Exporte um 50% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu, die Importe um zwei Drittel.

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Bei den Investitionen zeigt sich insgesamt ein positives, nach Segmenten jedoch gemischtes Bild. Nach einer Untersuchung der Korea Development Bank vom April 2010 wollen die Firmen der Gummiindustrie die Investitionen deutlich steigern, während die Unternehmen der Kunststoff verarbeitenden Industrie diese eher zurückfahren möchten.

Getrieben von der Elektronik- und der Solarindustrie gibt es Projekte bei Ethylenvinylacetat (EVA)-Folien. Hanwha L&C hat im Mai 2009 die Massenproduktion mit einer Kapazität von 3.000 t pro Jahr aufgenommen, die bis 2011 auf 12.000 t ausgebaut werden soll. SK Chemicals investiert in drei Fertigungslinien in Jincheon (Provinz North Chungcheong) und Suwon (Provinz Gyeonggi). Mit der Produktion soll 2011 begonnen werden. Die Jahreskapazität soll anfangs 18.000 t betragen und zum Jahresende auf 24.000 t steigen. Bis 2014 will SK Chemicals weltweit Fertigungslinien mit einem Umfang von insgesamt 60.000 t errichten.

Hanwha Chemical stellt bereits EVA-Folien her und beabsichtigt, die jährliche Kapazität seines Werks in Ulsan von derzeit 100.000 t auf 140.000 t bis 2012 zu erweitern. Auch Toray Advanced Materials, koreanische Tochterfirma der japanischen Toray Industries, hat Produktionspläne für EVA-Folien.

SK Chemicals beabsichtigt, bis 2012 seine Kapazitäten bei Polyethylenterephtalat (PET)-Folien um 60.000 t auf 200.000 t pro Jahr zu erhöhen. Diese werden unter anderem für LCD-Bildschirme und Solarzellen genutzt. Ein weiteres Thema ist die Entwicklung flexibler Displays. Das Ministry of Knowledge Economy will bis 2018 ein Konsortium aus Cheil Industries, Samsung Electronics, Samsung Mobile Display, LG Chem, LG Display, Kolon, Inktec sowie Hyundai Motor mit insgesamt 100 Mrd. Won bei der Entwicklung dafür notwendiger Kunststoffe unterstützen.

Impulse für die Kunststoffindustrie gehen auch von der Kfz-Branche aus. Diese möchte künftig mehr Stahlteile durch leichtere Kunststoffe ersetzen um Produktionskosten zu sparen und den Treibstoffverbrauch der Fahrzeuge zu senken. In der Reifenindustrie sticht ein Vorhaben von Nexen Tire, dem drittgrößten Reifenhersteller in Korea (Rep.), hervor. Das Unternehmen hat im Juni 2010 damit begonnen, eine neue Anlage in der Stadt Changnyeong (Provinz South Gyeongsang) aufzubauen. Die ersten Reifen sollen 2012 vom Band laufen und 2017 ein Jahresoutput von 21 Mio. Reifen erreicht werden. Dafür will die Firma rund 1,2 Bill. Won investieren.

Die meisten Hersteller von Kunststoffprodukten sind klein oder mittelgroß. Daneben gibt es einige sehr große Unternehmen, wie den Marktführer LG Chem. Die Firma produziert unter anderem Chemikalien und Polymere (PVC, ABS, Polystyrol etc.), industrielle Materialien (zum Beispiel Kunststoffe für die Kfz-Industrie) sowie Materialien für die informationstechnische und elektronische Industrie (darunter wiederaufladbare Batterien und Werkstoffe für Flüssigkristallbildschirme).

Cheil Industries ist im Bereich technischer Kunststoffe aktiv. SK Chemicals hat eine starke Stellung bei Polyesterfolien und Spezialbeschichtungen. Viele der in Korea (Rep.) tätigen ausländischen Unternehmen sind gut auf dem Markt etabliert. BASF ist einer der größten überseeischen Investoren im Land und bekleidet eine führende Position unter anderem bei Polyurethan.

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