15.10.2015

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Solvay: PA6.6-Recyclat aus technischen Textilien - Großanlage im polnischen Gorzów im Bau

Solvay Engineering Plastics hat bekanntgegeben, dass sein "Move4earth" Projekt zum Recyceln technischer Textilien aus postindustriellen Altmaterialquellen wie geplant voranschreitet. Die Validierung der Technologie sei ab­geschlossen. Die im Bau befindliche Großanlage am Projektstandort Gorzów in Polen werde voraussichtlich im Jahr 2016 eröffnet.

"Move4earth" ist eine von mehreren Solvay-Initiativen, die von der Europäischen Kommission im Rahmen des Life+ Programms gefördert werden, und soll das anhaltend starke Engagement des Unternehmens für nachhaltige Entwicklung bekräftigen. Im Zentrum des Projekts stehen die Konzeption, Umsetzung und Validierung eines Recyclingverfahrens zur Wiederverwertung von Abfällen aus technischen Textilien - zunächst Airbags - in Qualitätspolyamiden (PA6.6), die das Portfolio der technischen Polymere von Solvay Engineering Plastics ergänzen sollen.

"Während Verarbeiter und Originalausrüster bestrebt sind, ihre Abhängigkeit von fossilen Ressourcen und deren volatilen, ständig steigenden Preisen zu reduzieren, nimmt die Nachfrage nach ebenso kosten­günstigen wie hochleistungsfähigen Kunststoffrecyclaten in allen europäischen Märkten zu", sagt Peter Browning, General Manager von Solvay Engineering Plastics, und betont. "Hinzu kommt, dass die Europäische Kommission bis Ende 2015 eine Neufassung ihrer Altmaterialvorschriften verabschieden wird. Als Teil der Umsetzung des EU-Fahrplans hin zu einer effektiven Kreislaufwirtschaft rechnen auch Großkunden in sämtlichen PA6.6-Märkten mit neuen Gesetzesvorlagen für umweltverträgliches Design und Recycling. Die meisten dieser Hersteller haben sich zum Ziel gesetzt, das Recyclatvolumen in ihren Produkten bis 2020 auf über 20 % zu steigern. Move4earth unterstreicht unsere Anstrengungen, die Umweltbelastung durch unsere Aktivitäten und die unserer Kunden zu reduzieren, und bekräftigt unsere Entschlossenheit zur Investition in europäische Industrieanlagen."

Das Projekt greife außerdem den Bedarf an wirksameren Recyclinglösungen auf, die dazu beitragen, den erheblichen Anteil wertvoller technischer Kunststoffe im Altmaterialvolumen abzutragen. "Über 70 % aller Kfz-Airbags in Europa bestehen aus siliconbeschichtetem Nylongewebe, das meistens auf PA6.6 basiert", erläutert Richard Bourdon, Move4earth™ Project Director bei Solvay. "Vorschriften wie die EU-Richtlinie 2000/53/EG stellen zwar hohe Ansprüche an die Entsorgung und Wiederverwertung von Materialien aus Alt­fahrzeugen, doch für ausgediente Airbags gibt es in Europa bisher noch keine nachhaltige Lösung. Unser mittelfristiges Ziel ist, eine wirtschaftliche und nachhaltige Wiederverwertung dieser Ressourcen zu etablieren und auf diesem Weg reine, hochwertige PA6.6-Recyclate mit stabilen Eigenschaften annähernd auf dem Niveau von Technyl-Neuware und für eine breite Palette umweltgerecht gestalteter Anwendungen anzubieten", schließt Bourdon.

Zu diesem Zweck habe Solvay eine eigene, fortschrittliche Recyclingtechnologie entwickelt, die das Airbag-Gewebe von der Beschichtung trennt. Der Prozess liefert laut Solvay ein PA6.6 Recyclat ohne nennenswerten Eigenschaftsverlust, einschließlich stabiler Viskosität und robuster mechanischer Belastbarkeit.

Nächste Schritte im "Move4earth" Projekt von Solvay sind die Inbetriebnahme der neuen Anlage unter Volllast und gesicherten stabilen Prozessbedingungen sowie die Validierung wertschöpfender Einsatzmöglich­keiten für die vom Airbag-Gewebe getrennte Siliconbeschichtung, die als Nebenprodukt bis zu 15 % des Materialvolumens ausmachen kann. "Die neuen Recyclate werden im Einklang mit denselben hohen Qualitäts­standards wie alle Technyl-Kunststoffe hergestellt", fügt Peter Browning hinzu. "Wir sind in der Lage, ein Recyclat mit einer Matrix aus bis zu 100 % Altmaterial sowie hoher Liefersicherheit zu gewährleisten."

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