11/03/2011

KI - Polymerpreis-Reporte

Standard-Thermoplaste Februar 2011

Wieder Erhöhungen / Polyolefine bis 50 EUR/t nach oben / Styrolstrecke dreistellig / Angebot knapper / Nachfrage robust / Arabische Unruhe schürt Ölfeuer / Wilde Fahrt geht weiter

Selbst auf den bereits erreichten neuen Höchstständen setzte sich im Februar 2011 der Aufstieg der Preise für Standard-Thermoplaste in Europa fort. Den als relativ moderat empfundenen erneuten Kostenerhöhungen bei Olefinen von 25 EUR/t für Ethylen und 35 EUR/t bei Propylen folgten Anbieterforderungen von bis zu +100 EUR/t für die Polymere. Die Margen konnten dann zwar verbessert werden, aber nur leicht. Die PE-Typen stiegen bis 50 EUR/t an, PP lag rund um 40 EUR/t. Einzig PVC blieb wegen der schwachen Baunachfrage erneut mit rund +20 EUR/t zurück. Dagegen explodierte der SM-Kontraktpreis in der Druckwelle des weltweit steigenden Benzols wieder um 96 EUR/t. Das trieb im Februar dann ebenso die PS- und EPS-Notierungen um bis zu 100 EUR/t nach oben. Ohne viel Umschweife konnten auch die PET-Produzenten die dreistellige Kostensteigerung beim zentralen Vorprodukt PX weiterreichen.


Generell wirkten sich die hohen Vorproduktkosten spürbar dämpfend auf die Polymerisation aus. Daneben limitierten zahlreiche ungeplante Anlagenstillstände sowohl die Vorprodukte als auch etliche Polymere. Probleme in der europäischen PTA-Versorgung verengten vor allem die PET-Verfügbarkeit deutlich. Einzig PVC blieb überwiegend gut erhältlich.


In der Nachfrage spiegelte sich das derzeitige Hochpreisniveau für Standard-Thermoplaste wider. Zwar waren die Auftragsbücher bei den meisten befragten Verarbeitern noch gut gefüllt. Jedoch wurde teils in der Hoffnung auf bald sinkende Preise, teils zur Liquiditätssicherung nur das Allernötigste gekauft. PET allerdings meldet sehr guten Abverkauf in der Nebensaison, zum Teil sicher der Furcht vor weiter steigenden Preisen geschuldet.


Im März drohen weitere Drehungen der Aufwärtsschraube. Die Unruhen in Nordafrika und Nahost haben zu Unsicherheiten im Ölmarkt geführt. In der achten Woche eskalierten die Preise für das schwarze Gold. Der die europäische Petrochemie bestimmende Opec-Korb stieg bis auf 112 USD/b. Das schlug auf das Raffinerieprodukt Naphtha durch, das um mehr als 10 Prozent anzog. Die Olefinplayer konnten sich vor diesem Hintergrund über einige endlos wirkende Tage nicht auf C2- und C3-Kontrakte einigen. Am Abend des 28. Februar hieß die Lösung +60 EUR/t für Ethylen und +80 EUR/t für Propylen, das mit 1.185 EUR/t nun auf dem dritten Allzeithoch in Folge steht. Das Benzol blieb zwar auf hohem Niveau ruhig, dennoch droht Styrol knapper und nochmals teurer zu werden. Ein Kontrakt war aber bis Redaktionsschluss noch nicht fixiert.


Auch in der Polyesterstrecke ist keinerlei Entspannung in Sicht. Weder Angebotslage noch Nachfragesituation in den Polymermärkten zeigen bislang gravierende Änderungen. Daher ist mit erneuten Anhebungen auf breiter Front zu rechnen. Nicht wenige befürchten allerdings ein Überdrehen der Schraube mit möglicherweise fatalen Wirkungen für die Konjunktur. So oder so: Es hilft nichts, letztlich werden die Anwender und Endkunden wie jetzt schon an der Tankstelle mehr Geld auch für viele andere Produkte bezahlen müssen.

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