13.07.2009

KI - Polymerpreis-Reporte

Standard-Thermoplaste Juni 2009

Überwiegend moderate Steigerungen bei Polyolefinen / PVC holt verlorene Schritte nach / Styrolkunststoffe bleiben unter Monomer / Gefahr: Öl-Spekulation startet neue Kostenwelle

Langsam aber sicher nähert sich der westeuropäische Markt für Standard-Thermoplaste einer balancierteren Lage. So konnten im Juni 2009 sogar gelegentliche Engpässe beobachtet werden, insbesondere bei PVC. Die Balance ist allerdings wesentlich den Produktionseinschränkungen geschuldet. Die zwar etwas belebte Nachfrage blieb über alles gesehen zu schwach, um den Notierungen deutliche Impulse nach oben zu geben.


Die steigenden Kosten für die Vorprodukte bedrängten die Erzeuger jedoch immer mehr, sodass es - zwar moderat, aber dennoch klar erkennbar - tendenziell zu Steigerungen kam. Bei den Polyolefinen lagen diese zwischen 10 und 20 EUR/t, PVC legte in einer nachholenden Sondersituation um 70 EUR/t zu, die Styrolkunststoffe blieben mit Aufschlägen von 25 bis 40 EUR/t hinter der Monomersteigerung zurück.


Bei den Polyolefinen machten sich schwache asiatische Märkte exportmindernd bemerkbar. Die Ausfuhren hatten zuletzt für die Minderung des Mengendrucks gesorgt, jetzt konterkarierten die Rückgänge die Produktionsdrosselungen. Allerdings blieben andererseits auch die Importe aus dem Nahen Osten deutlich unter den Befürchtungen. Bei Polypropylen deutet sich ein Engpass wegen fehlender C3-Mengen an. Die Cracker werden ja meist im Hinblick auf Ethylen gedrosselt, das Beiprodukt Propylen wird dabei aber ebenfalls reduziert. Die PVC-Erzeugung läuft aus ähnlich gelagerten Problemen der Verbundproduktion auf Knappheiten zu. Wegen der Einbrüche bei Natronlauge wird weniger Chlor und in der Folge weniger PVC produziert als üblich. Bei PS wird weiterhin konsolidiert, was aber noch nicht wirklich gegriffen hat. Im EPS-Bereich schlägt der Zyklus nun zu, die im Boom angestoßenen Erweiterungen kommen in der jetzigen Nachfragebaisse auf den Markt.


Die Nachfrage zeigte sich im Juni zwar generell etwas reger als im Vormonat, blieb aber weiterhin deutlich unter den Vorjahren. Bei allem Optimismus und gutem Willen ist die Rezession nicht zu verleugnen. Im Zuge der sich abzeichnenden weiteren Verteuerung in den Vorproduktstrecken kam es in der zweiten Monatshälfte vermehrt zu Vorkäufen.


Leider wirkt der Ausblick nicht ungefährlich. Schon wieder nämlich ignoriert der spekulativ getriebene Ölpreis die Realitäten der Endmärkte. Es kommt daher zu einer neuen Steigerungswelle in der Petrochemie, was den ohnehin starken Druck auf die Erzeuger noch einmal erhöht. Dadurch besteht - wie just im Vorjahr erlebt - die Gefahr eines erneuten Überdrehens der Schraube. Denn die Endmärkte sind im besten Falle gerade einmal dabei, überhaupt Tritt zu fassen. Der Boden wirkt dabei nicht unbedingt sehr fest. Die Bemühungen, dem steigenden Preisniveau zu folgen, könnten durchaus im sumpfigen Morast der anhaltenden Rezession versinken. Aber es hilft nichts, irgendwie werden alle Beteiligten sich der nächsten Kostenwelle stellen müssen - bleibt wohl lediglich die Frage, wie sich dies im Einzelnen genau darstellen wird.

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