20.04.2010

KI - Polymerpreis-Reporte

Standard-Thermoplaste März 2010

Steigerungen gehen weiter / Teils große Knappheiten bei PE-LD und PP / Schiefe Produktionslage / Wenig Importe / Saisonale Belebungen beginnen / April: Anhebungen dominieren

Im dritten Monat in Folge mussten die Einkäufer von westeuropäischen Standard-Thermoplasten auch im März 2010 teils deftige Preissteigerungen hinnehmen. Wie immer stellt sich die Kostenweitergabe in die Endmärkte problematisch dar, diesmal aber noch gesteigert durch die einerseits angewachsene Schnelligkeit der Anhebungen und die andererseits weiter vor sich hin schwelende konjunkturelle Unsicherheit. Erstmals wird wirklich schmerzhaft spürbar, was die Umstellung auf Monatskontrakte für die olefinischen Vorprodukte Ethylen (C2) und Propylen (C3) für die Polymermärkte bedeuten kann. Das bei den Verarbeitern fließende Blut wird dabei zunehmend böse, die Härte des Anbieterauftretens tut das Ihrige dazu. Was wiederum für die unweigerlich irgendwann erfolgende Umkehrung der Marktverhältnisse nichts Gutes für die Erzeugerseite ahnen lässt.


Insbesondere die Versorgungslagen bei PE-LD und allen PP-Typen nahmen im März teils bedrohliche Formen an. Hier stiegen auch die Preise besonders stark an. Insgesamt waren sehr wenig Importe auszumachen, was sich in davon besonders abhängigen Segmenten wie beispielsweise bei PET entsprechend stärker bemerkbar machte. Dazu sind die Verbundsysteme der chemischen Großindustrie in Europa und auch weltweit infolge der Krise offensichtlich so stark aus den Fugen geraten, dass eine Kontrolle derzeit unmöglich scheint. Ein Ende der Unberechenbarkeit war trotz aller Bemühungen im März nicht in Sicht. Und so zahlte am Ende der Abnehmermarkt wortwörtlich die Verfügbarkeitszeche.


Dabei könnte man sich doch eigentlich freuen über eine Belebung der Nachfrage, zum Teil gespeist durch das Anlaufen von saisonalen Geschäften etwa in den Sektoren Agrar und Bau, zum Teil möglicherweise Ausdruck einer sich langsam verfestigenden Rückkehr des konjunkturellen Grundvertrauens. Ob sich die noch recht zarten Konjunkturpflänzchen den Preissteigerungen aller Werkstoffe – nicht nur bei Kunststoffen, auch bei Stahl, Holz, Papier, Glas, NE-Metallen explodieren derzeit die Notierungen – bereits gewachsen sind, wird sich erst noch erweisen müssen.


Der kurzfristige Ausblick für den April wird von weiteren drohenden Preissteigerungen bei allen Standard-Thermoplasten dominiert. Der Kontraktpreis für Ethylen stieg um 20 EUR/t gegenüber März, der für das knappere Propylen gleich um 70 EUR/t – C3 ist damit ungewöhnlicherweise teurer als das eigentliche Cracker-Hauptprodukt C2. Der erste Styrol-Kontrakt lag um 103 EUR/t über dem März-Niveau. Die Anhebungswünsche der Anbieter reichen bis zu 100 EUR/t bei den Polyolefinen, bei PVC bis 60 EUR/t, bei PS bis 120 EUR/t und bei PET bis 70 EUR/t. Die Versorgungslage entwickelt sich zwar tendenziell eher wieder zum Besseren, für den April aber wird das kaum genügend Wirkung zeitigen, um einer weiteren Steigerungswelle die Stirn bieten zu können.

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