14.06.2011

KI - Polymerpreis-Reporte

Standard-Thermoplaste Mai 2011

Ölpreisrutsch bringt Marktgrenzen zum Vorschein / Polyolefin-Margen bröckeln / Produzenten sitzen auf Kosten / Balance durch Kaufzurückhaltung verschoben / Preisdruck bleibt

Von der viel beschworenen Wonne des Frühlingmonats bekamen die europäischen Anbieter von Standard-Thermoplasten im Mai 2011 eher wenig zu spüren. Waren zu Beginn die mittlerweile als üblich geltenden Kostenweitergaben fest eingeplant, paralysierte der Ölpreisrutsch am 4. und 5. Mai die Order teilweise vollends - es war, als hätte jemand den "Petrificus totalus"-Fluch aus der berühmten "Harry Potter"-Saga verhängt. Dabei reagierten die Verarbeiter und teils auch die Endmärkte nach den schier endlosen Kostensteigerungen der letzten rund eineinhalb Jahre nur allzu verständlich. Unmittelbar wurde die Kurskorrektur beim Öl von rund 10 Prozent als Inkrafttreten der Marktgrenzen begriffen. Wer will da schon riskieren, zu viel auszugeben, zumal in vielen Finanzdecken bereits die Löcher durchscheinen.


Und so gelang es den Anbietern von Polyethylen in vielen Fällen nicht nur nicht, die um 25 EUR/t gegenüber April angestiegenen Ethylenkosten weiterzugeben, sie mussten vielmehr zusätzlich Margenverluste realisieren. Bei dem seit längerer Zeit hochfliegenden PE-LD für Folien etwa summierten sich die Abschläge von 30 EUR/t mit der Kostensteigerung auf ein nicht gerade geringes Margenminus von 55 EUR/t. Nun gut, die nominale LD-Marge ist damit erstmalig seit einem Jahr wieder unter 400 EUR/t gesunken, liegt aber mit immer noch über 350 EUR/t weiter im gut auskömmlichen Bereich. Bei PE-LLD allerdings wird der Schutzmantel immer dünner, und bei PE-HD sind die mühselig errungenen Zugewinne der ersten Monate 2011 schon fast wieder perdu. Einzig EVA hielt sich wegen der strukturellen Angebotsenge auf Kostenhöhe. PP ließ mit unterproportional zu den Kosten (C3 Mai: +35 EUR/t) steigenden Erlösen ebenso errungene Margenfedern wie die Styrolkunststoffe PS und EPS, die die Steigerung der Styrol-Kontraktreferenz von 35 EUR/t ebenfalls nicht erreichen konnten. Auch die PET-Anbieter mussten mit Abschlägen um 80 EUR/t die aus dem Ende der Faserhausse resultierenden Kostenerleichterungen in den Markt weitestgehend durchreichen. Nur PVC konnte gegenüber den anteiligen Ethylenkosten leichte Margenzugewinne verbuchen, die aber sehr deutlich unter den ausgerufenen Erwartungen blieben.


Die importanfälligen Polyolefin-Basistypen wurden zunehmend von ebensolchen Importen angefallen, zugleich hat sich die Produktionslage in Europa über alle Standard-Thermoplaste hinweg zwischenzeitlich deutlich entspannt. Wozu natürlich auch die massive Kaufzurückhaltung der Verarbeiter beitrug, die mit ihren kalten Schultern zunehmend Mengen in den Produzentenlägern zum Schlummern verführten. Selbst das zu Beginn als eher knapp annoncierte PVC war im Monatsverlauf meist ganz ordentlich erhältlich. Was auch daran liegen könnte, dass die mediterranen Märkte mehr und mehr zu krisenhaften Erscheinungen neigen. Das gilt es wohl im Auge zu behalten, auch wenn die Märkte im nördlichen Teil des Kontinents relativ störungsfrei vor sich hin schnurren.


Wie zu erwarten, haben die olefinischen Vorprodukte Ethylen (C2) mit -45 EUR/t und Propylen (C3) mit -40 EUR/t im Juni auf das Nachgeben der Öl/Naphtha-Strecke reagiert. Die Styrol-Kontraktreferenz lag zum Redaktionsschluss noch nicht vor, sinkende Notierungen des Benzols geben aber auch hier die Richtung vor. Die europäischen Spotnotierungen für das PET-Vorprodukt Paraxylol (PX) haben sich im Verlauf des Mai hin und her schwankend stabilisiert, der Juni-Kontrakt lag noch nicht vor. Mehr oder weniger kämpferisch begeben sich viele Anbieter mit Rollover-Rufen in die Margenschlacht, oft kann aber über das Zittern in der Stimme kaum hinweg getäuscht werden. Natürlich stehen nach dem Kaufboykott einige Lagerfüllungen an, die werden aber wohl kaum zu Mondpreisen durchgeführt werden. Um die Ecke steht in vielen Fällen ein weiterer Anbieter, der gegebenenfalls günstiger ist. Ausgenommen ist hier allerdings weiterhin das EVA. Bei PVC und EPS wird wohl die Entwicklung der Baunachfrage ein Wort mitsprechen. Der Rest der Standard-Thermoplaste wird in Europa im Juni 2011 wohl unter mehr oder minder starkem Preisdruck stehen.

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