Suchmaschinen der Zukunft liefern nicht nur Links, sondern auch Begründungen

Die Bauhaus-Universität Weimar ist an einem DFG-geförderten Schwerpunktprogramm beteiligt, in welchem in den kommenden Jahren Grundlagen für neuartige Suchmaschinen entwickelt werden. Suchmaschinen sollen nicht mehr wie bisher auf der Analyse reiner Fakten basieren, sondern unterschiedliche Perspektiven und Argumente zu einem Thema berücksichtigen. Dadurch können sie die Nutzer dabei unterstützen, zu einer begründbaren, ausgewogenen Entscheidung zu gelangen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt mit zwölf Millionen Euro für sechs Jahre.

Ziel ist es, den Grundstein für eine neue Technologie zu legen, die automatisiert Texte auswertet und die darin enthaltenen argumentativen Strukturen erkennt. Den Nutzern gibt die Suchmaschine die verschiedenen Pro- und Contra-Argumente zusammengefasst auf einen Blick wieder.

Derzeit indexieren Suchmaschinen große Datenmengen im Internet und extrahieren daraus Fakten, die dem Nutzer allerdings »roh«, das heißt, insbesondere ohne Erklärungen und argumentative Zusammenhänge, präsentiert werden. Aussagen im Internet, zum Beispiel in Online-Foren, Blogs oder Artikeln, basieren aber oft auf Meinungen von Einzelpersonen und folgen einer bestimmten Argumentation. Zukünftige »Suchmaschinen für Argumente« sollen dies ändern und die Daten und Fakten in den Zusammenhang von Argumenten und Gegenargumenten stellen. Den Anfragenden können sie so neue Einsichten und Erklärungen liefern und sie bei komplexen, kontextbezogenen Entscheidungen unterstützen.

Beispielsweise ist es bisher so, dass bei Anfragen im medizinischen Bereich wie »Sind Kopfschmerztabletten gefährlich?« verzerrte Ergebnisse geliefert werden. Die Berücksichtigung von Nutzerfeedback führt zur Bevorzugung populärer Antworten: Da Nutzer bei Suchanfragen zu Krankheitssymptomen überproportional häufig Seiten mit seltenen, aber ernsteren Diagnosen anklicken, z.B. Gehirntumor als Diagnose für Kopfschmerzen, weisen Suchmaschinen solchen Dokumenten einen höheren Rang zu. Suchmaschinen für Argumente lösen das Problem, indem sie auch komplexe Anfragen in den Gesamtzusammenhang stellen und verschiedene Dokumente und Argumentationen nebeneinander ausgeben, sodass sich die Nutzer selbstständig ein fundiertes Bild machen können.

Weitere mögliche Einsatzgebiete für argumentative Suchmaschinen sind die Auswertung von Online-Foren sowie die Entscheidungsfindung von Expertinnen und Experten verschiedener Branchen, etwa in der Finanzbranche, der Medizin, der Technischen Dokumentation, der Politik oder der Soziologie.

Schwerpunktprogramm »Ratio« der Deutschen Forschungsgemeinschaft (SPP)

An der Antragstellung des von 2017 bis 2023 laufenden Schwerpunktprogramms »Ratio« (Robust Argumentation Machines – Adaptive, Skalierbare und Fehlertolerante Argumentationsmaschinen) sind unter der Leitung der Universität Bielefeld (Prof. Dr. Philipp Cimiano) die Universitäten Bremen (Prof. Dr. Michael Kohlhase), Duisburg-Essen (Prof. Dr. Jürgen Ziegler), Leipzig (Prof. Dr. Gerhard Heyer) und Weimar (Prof. Dr. Benno Stein) beteiligt.

Professor Benno Stein, Informatiker an der Fakultät Medien an der Bauhaus-Universität Weimar, vertritt die Bereiche »Machine Learning« und »Information Retrieval«. Im Information Retrieval werden relevante Antworten zu ungenauen Suchanfragen aus großen Dokumentkollektionen ermittelt. Seit langem ist dabei die Wichtigkeit des Kontextes der Suche bekannt. Diese reichen von der Suchaufgabe über den sozialen und persönlichen Hintergrund des Nutzers bis hin zu Zeit, Ort und Umgebung.

DFG-Schwerpunktprogramme sind die größten Förderprogramme der DFG und basieren auf der überregionalen Kooperation der teilnehmenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Das Programm »Ratio« bringt Forscherinnen und Forscher aus einer Reihe von Teildisziplinen der Informatik zusammen: Künstliche Intelligenz, Computerlinguistik, Wissensrepräsentation, Suchmaschinen, Semantisches Web und Mensch-Maschine-Interaktion.

Quelle
Bauhaus-Universität Weimar