03.02.2015

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Swiss Plastics: Erste Innovationstagung mit 200 Teilnehmern - Erster "Swiss Plastics Innovation Report" vorgestellt

Die erste Swiss Plastics Innovations­tagung ging am 27. Januar 2015 über die Bühne. Obwohl die Schweizer Kunststoffindustrie zurzeit massiv unter Druck steht, herrschte unter den 200 Teilnehmern eine positive und motivierte Stimmung, teilt der Veranstalter, die Messe Luzern, mit.

Rückläufiger Verbrauch von Rohstoffen, eine schwache Außenhandelsbilanz, schwindende Margen und eine negative Entwicklung der realen Wertschöpfung - die Schweizer Kunststoffindustrie steht vor großen Herausforderungen. Seit dem 15. Januar 2015, mit dem Wegfall der Eurountergrenze, haben sich die Perspektiven nochmals verschlechtert. Der Vizepräsident des Kunststoffverbandes, Patrick Semadeni, brachte es bei der Podiumsdiskussion auf den Punkt: "Die Rahmenbedingen dürfen sich nicht noch weiter verschlechtern. Die Herausforderungen sind riesig." Aber man war sich einig, dass die Branche eine ganze Reihe von Handlungsoptionen besitzt, um auch diese Ausnahmesituation zu meistern. Stellenabbau und Verlagerungen ins Ausland stehen demzufolge zurzeit nicht auf der Prioritätenliste der Unternehmer. Wichtiger erschien die während der ersten Innovationstagung vorgeschlagene Maßnahme, die Zahl der Lehrstellen zu erhöhen und eine Ausbildungs- und Fachkräftestrategie zu entwickeln.

"Innovationsfähigkeit ist wichtigster Schlüssel"
Die Referenten waren sich einig, dass die Innovationsfähigkeit auch in Zukunft der wichtigste Schlüssel für den Branchenerfolg ist. Eine zentrale Frage dazu stellte Patrick Roth von Innovation Mining. Er fragte, ob die Innovationsfähigkeit richtig gemessen und insbesondere richtig gefördert wird. Die nachgelagerten Wertschöpfungsstufen wie zum Beispiel die Autoindustrie und die Medizintechnik profitieren direkt von den Leistungen der Kunststoffindustrie. Diese kann aber ihre Leistungen in der Rolle des Innovationsenabler oft nicht in angemessene Preise umsetzen. Es gelte darüber nachzudenken, wie die Leistung besser vermarktet und in entsprechende Preise umgesetzt werden könne.

"Hat die Kunststoffindustrie die Ausbildung vernachlässigt?"
Diese Frage stellte der Bildungspolitiker und Ökonom Rudolf Strahm sehr pointiert. Und der neue Präsident von Swiss Plastics network, Jürg De Pietro, legte gleich nach. Er will der Frage, ob die Branche genügend und vor allem den richtigen Nachwuchs ausbildet, auf den Grund gehen. Besonders bei der beruflichen Weiterbildung scheint es Nachholbedarf zu geben. Aber auch die Zahl von rund 90 Lernenden (Ausbildung zum Kunststofftechnologen und -verarbeiter) pro Jahr scheint für eine Branche mit rund 30.000 Mitarbeitern unterdurchschnittlich. Der angekündigte Aus- und Weiterbildungsreport des Netzwerkes Swiss Plastics will auf eine ganze Reihe von drängenden Fragen Antworten liefern. Strahm mahnte die Branche eindringlich, das Thema mit hoher Priorität zu behandeln: "Innovationspolitik ist Bildungspolitik! Branchen, die schwächeln, haben die Ausbildung möglicherweise vernachlässigt."

Swiss Plastics Innovation Report
Bei der Tagung wurde der erste Swiss Plastics Innovation Report präsentiert. Der rund 160 Seite starke Report macht Aussagen zur wirtschaftlichen Bedeutung und der Innovationsleistung für eine wirtschaftlich erfolgreiche Schweizer Kunststoffindustrie. Rund 30 Autoren haben an dem Report mitgewirkt.

Wirtschaftsstatistisches Portrait
Innovationssystem der Schweizer Kunststoffindustrie
Top Innovationen
160 Seiten
Gedruckt auf synthetischem Papier
Herausgeber: Swiss Plastics - the network for the future
CHF 150.- (exkl. MwSt. und Porto)
Bestellungen dirket an die Messe Luzern AG: rene.ziswiler@messeluzern.ch

Fitnessprogramm unumgänglich
Die Referenten zeigten sich zuversichtlich, dass man die kommenden Herausforderungen erfolgreich meistern kann. Man ortet da und dort auch Potenziale für Effizienzsteigerung und dokumentierte dies mit eindrücklichen Beispielen. So appellierte Horst Beck, General Manager der Riwisa AG, an die Bereitschaft, Bestehendes zu hinterfragen, Neues zu denken und Kooperationen einzugehen, um zum Beispiel gemeinsam und vermehrt als Systemlieferanten auf dem Markt auftreten zu können.

Die nächste Innovationstagung findet am 26. Januar 2016 statt. Die Tagung wurde durch die Messe Luzern organisiert und steht unter dem Patronat von "Swiss Plastics - the network for the future".

Swiss Plastics Aus- und Weiterbildungsreport 2015
Es fehlen aussagekräftige Zahlen und Fakten zur Aus- und Weiterbildung in der Kunststoffindustrie. Mit dem Projekt "Swiss Plastics Education - Ausbildungskalender" wird ein weiteres Projekt angestoßen. Die Publikation soll zeigen, welche Ausbildungsgänge mit welchem Profil für die Kunststoffindustrie in der Schweiz bereits vorhanden sind und wie sie bekannter gemacht werden können. Diese Grundlage soll zudem helfen, die Diskussion für eine überarbeitete Aus- und Weiterbildung für die Schweizer Kunststoffbranche zu führen.

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