26.11.2010

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Türkei: Bis 2014 Aufstieg zum wichtigsten Produktionsstandort für Kunststoffe in Europa geplant

Der türkische Kunststoff-Fachverband PAGDER (Plastik Sanayicileri Dernegi, www.pagev.org.tr) erwartet 2010 einen Anstieg der Nachfrage nach Plastikartikeln um 15% auf Wert- beziehungsweise 17% auf Tonnenbasis. Damit wächst das Verkaufsvolumen schneller als die inländische Produktion, deren Wert voraussichtlich um 14% zunehmen wird (+16% auf Gewichtsbasis). Daraus ergibt sich ein etwas stärkerer Zuwachs bei den Importen (Wert: +11%; Gewicht: +18%) als bei den Exporten (Wert: +8%; Gewicht: +10%). Insgesamt werden demnach 17% der türkischen Kunststoffproduktion ins Ausland verkauft und die inländische Nachfrage zu 13% durch Importe gedeckt.

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Während die über die letzten Jahre kontinuierlich gestiegenen Investitionen in die Herstellung von Kunststoffen im Krisenjahr 2009 deutlich eingebrochen waren und mit 414 Mio. US$ (rund 297 Mio. Euro; 1 US$ = 0,7556 Euro; Durchschnittskurs 2009) nur noch ein knappes Drittel des Wertes von 2008 erreichten, deutet sich für 2010 eine Erholung an. Ausgehend vom 1. Halbjahr prognostiziert die Stiftung für Forschung, Entwicklung und Ausbildung in der Kunststoffindustrie (PAGEV, verbunden mit PAGDER) ein Volumen von 490 Mio. US$ (circa 370 Mio. Euro), rund 18% mehr als 2009, aber nur knapp auf dem Niveau von 2005.

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Nach Aussagen des PAGEV-Vorsitzenden Selcuk Aksoy ist im Produktspektrum der türkischen Kunststoffindustrie eine Zunahme der Bedeutung von Verpackungen zu Lasten des Anteils von Produkten für die Bauwirtschaft zu beobachten. Bis 2014 soll die Türkei nach Aussage von PAGDER zum wichtigsten Produktionsstandort der Branche in Europa aufgestiegen sein.

Die erhöhte Nachfrage der Kunststoffindustrie spiegelt sich in den deutlich ansteigenden Importen von petrochemischen Rohstoffen. Für das Gesamtjahr 2010 geht PAGEV von einer Zunahme der Einfuhrmenge um knapp 19% gegenüber 2009 aus, während die inländische Produktion kapazitätsbedingt stabil bleibt. Das Exportvolumen erreicht nur etwas mehr als 10% der Importmenge und wird sich den Vorausschätzungen zufolge 2010 gegenüber dem Vorjahr um circa 12% erhöhen. Deutschland war 2009 in beiden Richtungen wichtigster Handelspartner der Türkei bei Grundstoffen für die Kunststoffindustrie und blieb auch im 1. Halbjahr 2010 der größte Abnehmer vor Italien, Ägypten, Russland und Bulgarien. Unter den Lieferanten hat sich Saudi-Arabien auf den ersten Platz vorgeschoben, gefolgt von Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Italien.

Die türkische Kunststoffproduktion ist zu 85% vom Import der Grundstoffe abhängig. Der einheimische Produktionsanteil beträgt bei Polypropylen (PP) 9%, bei Polyethylen (PE) 29% und bei Polyvinylchlorid (PVC) 17%. Diese Polymere werden vom Petrochemiekonzern Petkim hergestellt, an dem die staatliche aserbaidschanische Ölgesellschaft SOCAR mehrheitlich beteiligt ist. SOCAR plant den Aufbau eines eigenen großen Petrochemiekomplexes in Sangachal am Kaspischen Meer. Dies beeinflusst nicht das Vorhaben, die Kapazitäten von Petkim in Aliaga bis 2018 massiv auszubauen, könnte aber Auswirkungen auf die Ausrichtungen der Produktionslinien haben, wenn eine gewisse Spezialisierung der Werke angestrebt wird. Bei PET beträgt der Eigenversorgungsgrad 42%.

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