01/07/2011

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Türkei: Verbrauch von Verbundstoffen steigt rasch

Zahlreiche industrielle Anwendungen / Vor allem GFK / Von Marcus Knupp

Verbundmaterialien wie glasfaserverstärkter Kunststoff werden in einer zunehmenden Zahl von Branchen verwendet. In der Türkei erhöht sich ihr Absatz jedes Jahr durchschnittlich um 10% und damit weit schneller als im globalen Mittel. Die inländischen Produktionskapazitäten für Vorprodukte wie Glas- oder Kohlefasern werden ebenso erweitert wie die Fertigung typischer Endprodukte wie Rohre, Tanks oder Komponenten für die Automobil- und Elektroindustrie. (Kontaktanschrift)

Die Ausweitung der industriellen Produktion in der Türkei schafft mit fortschreitender Entwicklung auch zusätzliche Anwendungsbereiche für neue Materialien. Verbundmaterialien wie mit Fasern verstärkte Kunststoffe finden ihre Käufer nicht nur in der Bauwirtschaft und am Bosporus bereits gut etablierten Branchen wie der Kfz-Industrie, den Herstellern von Elektrogeräten und Elektronik oder in der Landwirtschaft. Zunehmende Anstrengungen, in weiteren Feldern wie dem Waggonbau, der Luftfahrtindustrie, der Produktion von Stadtmöblierung oder der Fertigung von Komponenten für Windkraftanlagen lassen weiter steigende Verkäufe erwarten.

Von rund 4,2 Mio. t weltweit hergestellten Kompositmaterialien kommen etwa 200.000 t aus der Türkei. Der überwiegende Teil davon entfällt auf glasfaserverstärkten Kunststoff (GFK). Rund 50.000 t davon werden exportiert. Der Pro-Kopf-Verbrauch solcher Materialien in der Türkei selbst liegt noch deutlich unterhalb des in Westeuropa anzutreffenden Niveaus. Branchenvertreter erwarten deshalb zusätzliche Investitionen in die Erweiterung der Produktionskapazitäten. So hat die Firma Poliya im Juni 2011 mit der Inbetriebnahme einer zusätzlichen Fertigungsanlage ihre Kapazität in der Herstellung von Kunstharzen um 40% erhöht. Zusammen mit dem Zukauf eines weiteren Betriebes verfügt das Unternehmen nun mit 65.000 t im Jahr über die nach eigenen Angaben umfangreichsten Kapazitäten in der Region Europa, Nahost und Afrika.

Zu den weltweit führenden Unternehmen in einem anderen Bereich gehört Aksa. Die Firma stellt in Yalova im Nordwesten der Türkei seit 1971 Akrylfasern her. Derzeit kommt das Werk mit einem Ausstoß von 308.000 t im Jahr nach eigenen Angaben für etwa 13% der globalen Produktion auf. Zu den verkauften Produkten der Firma gehören vor allem verschiedene Varietäten von Mischfasern. Hinzu kommt aktuell ein zweiter Schwerpunkt. Mit Investitionen in Höhe von 72 Mio. US$ will Aksa bis 2012 die Kapazitäten zur Herstellung von Kohlefasern verdoppeln und zielt bis 2020 einen Weltmarktanteil von 10% an. Mit einer zweiten Fertigungsstraße soll ab 2012 die Produktion von 300 t im Jahr auf 700 t ausgedehnt werden. Vorstandsmitglied Mustafa Yilmaz erwartet in den kommenden Jahren einen raschen Anstieg der weltweiten Nachfrage nach Karbonfasern auf 80.000 t für 2015 und 160.000 t bis 2020.

Führende Hersteller von GFK-Rohren und Tanks in der Türkei sind dabei, ihre Kapazitäten zu erweitern. Die Firma Armaplast hat durch Investitionen in die CNC-Steuerungen der Fertigungsstraßen in Gebze die Produktionsgeschwindigkeit verdoppeln können. Dort können Rohre mit Durchmessern zwischen 100 und 4.000 mm hergestellt werden. Steigende Nachfrage verzeichnet Armaplast seit 2009 unter anderem aus den USA, aus Deutschland und aus den Niederlanden.

Im Inland sind es unter anderem die großen Bewässerungsprojekte des Südost-Anatolien-Projektes (GAP), von denen sich die Branchenunternehmen zusätzliche Nachfrage erhoffen. Die 1961 gegründete Firma Superlit fertigt seit dem Jahr 2000 GFK-Rohre und Verbindungsteile und plant, im letzen Quartal 2011 eine dritte Fabrik in Malatya im Südosten der Türkei in Betrieb zu nehmen. Dort sollen insbesondere große Durchmesser von 3.500 bis 4.000 mm produziert werden. In den beiden bestehenden Werken in Düzce und in Rumänien fertigt Superlit Rohre von 300 bis 3.500 mm Durchmesser.

Auch der Wettbewerber Pul-Tech FRP will mit einer neuen Fabrik, die voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2011 fertig wird, in die Produktion von GFK-Rohren einsteigen. Bisher fertigt das Unternehmen in Usak vor allem Profile und Gitterroste aus Verbundstoffen. Mit einem Ausstoß von über 5.000 t Profilen und mehr als 100.000 qm Rosten zählt Pul-Tech FRP nach eigenen Angaben zu den großen Herstellern der Branche.

In Adana stellt die Firma Zahit seit 1998 Aluminium-Panelen vorwiegend für die Bauindustrie her. Im vergangenen Jahr hat sie ihr Spektrum um Teile aus Verbundstoff erweitert, 2011 soll die Produktionskapazität der neuen Produktlinie von 50.000 qm im Monat auf 100.000 qm verdoppelt werden. Vor allem das leichtere Gewicht nennt die Firma als wichtiges Verkaufsargument.

Für verschiedene Branchen stellt das Unternehmen Polin Großteile aus Verbund-Kunststoffen her, darunter wassertechnische Anlagen, Stadtmöblierung, Schwimmbecken und die Jachtindustrie. Bis 2014 will Polin die Zahl seiner Fabriken von derzeit drei auf fünf erhöhen. An den bestehenden Standorten Gebze und Antalya sollen in den kommenden Jahren jeweils 13 Mio. und 11 Mio. Euro in neue Ausrüstungen zur Erhöhung der Fertigungskapazität investiert werden. Die Arbeiten zum Erwerb von Know how und den entsprechenden Lizenzen für den Bau von Flügeln für Windkraftwerke werden voraussichtlich bis Ende 2011 beendet, so dass ab 2012 mit der Produktion begonnen werden kann.

[2;z]Quelle: Wirtschaftszeitung Dünya (6.5.11)

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