24.05.2011

KI - Branchen-Ticker im KunststoffWeb

TecPart: Kunststoffverarbeiter vor Konsolidierungswelle?

Trotz aktuell optimistischer Umsatzerwartungen der Kunststoff verarbeitenden Industrie ist die Ergebniserwartung verhalten, weil hohe Materialpreise mit schnellen Steigerungsraten belasten. Die Kunststofferzeuger erklären, die Preise sind so hoch wie noch nie. Die Kosten in der Kunststoff verarbeitenden Industrie steigen stärker und schneller als die Umsätze und damit sinkt die Ertragsquote der Verarbeiter. Insbesondere im Bereich der technischen Teile verhindert die Marktmacht der großen Abnehmer die notwendige Preisanpassungen mit spürbaren Folgen.

Mehr als 200 Unternehmen sind laut Statistischem Bundesamt allein in 2010 vom Markt verschwunden. "Das ist keine Überraschung", stellt Michael Weigelt Geschäftsführer des GKV-Trägerverbands TecPart (Frankfurt; www.tecpart.de) fest. "Aus einer TecPart-Verbandsumfrage wird ersichtlich, dass viele Unternehmen aktuell weniger verdienen als in 2008! Überproportional gestiegene Rohstoffkosten mit schlechter Verfügbarkeit und den dadurch bedingten geringeren Liefer- und Produktionslosen sind ein wesentlicher Teil der Erklärung. Steigende Kosten für Personal, Dienstleistungen und Energiekosten ein weiterer", so Weigelt weiter.

Die Sicherheit bei der Produktionsplanung fehlt und das Risiko bei der Kalkulation ist deutlich gestiegen, beklagen viele Unternehmen. Der kalkulierte Materialpreis ist bei Auftragsvergabe oft schon seit Wochen nicht mehr gültig. Preisgleitklauseln werden nur selten berücksichtigt oder lang laufende Verträge aus der Vergangenheit erschweren die Verhandlungen mit den Abnehmern.

TecPart kalkuliert diese Entwicklung, bezogen auf Jahreswerte für ein fiktives Unternehmen der Kunststoff verarbeitenden Industrie mit 100 Mitarbeitern und 10 Mio. € Umsatz. Dort hat sich die Kostenstruktur im Bereich der Energie um ca. 100.000 Euro erhöht. Bei einer angenommenen Personalquote von 25 % kommen mindestens weitere 80.000 Euro an Personalkostensteigerungen dazu. Bei der derzeitigen Materialkostensteigerung um angenommene 10% gehen weitere 650.000 Euro aus dem Ergebnis. Bei einem unterstellten Ertrag in 2010 von 5% bleibt somit für 2011 ein negatives Ergebnis von -330.000 Euro. Für ein Nullergebnis in 2011 heißt die Herausforderung eine Produktivitätssteigerung von 3,3% zu schaffen. "Diese Reserven hat heute kein Unternehmen mehr", weiß Weigelt.

Mit dieser Ertragssituation werden die Investitionen in mehr Innovation ausbleiben. "Die aktuelle Situation wird - wenn die notwendigen Korrekturen nicht durchsetzbar sind - die Branche schwächen. Der technologische Vorsprung, den Deutschland in der Kunststoffverarbeitung hat und der durch die breite Masse der mittelständischen Unternehmen bisher getragen wird, ist damit gefährdet. Die Auswirkungen könnten bis in die Hochschulen hinein zu spüren sein, durch Rückgang der Drittmittel und weniger Problemstellungen aus der Industrie. Folgen für die Ausbildung sind dann nicht auszuschließen und das in einer Situation in der bereits ein Mangel an Fachkräften und Ingenieuren besteht", prognostiziert Felix Loose, TecPart-Vorsitzender und Inhaber-Geschäftsführer der Agor GmbH.

Hohe Deckungsbeiträge können eine Zeit die gestiegenen Kosten kompensieren und gegebenenfalls die Eigenkapitalquote verbessern. Bei einem möglichen Nachlassen der Konjunktur wird dies ungleich schwieriger. Unternehmen mit schwacher Eigenkapitalausstattung könnten gezwungen sein die Eigenständigkeit aufzugeben und sich einen starken Partner zu suchen, so lange das noch steuerbar ist.

Ertragssprünge bei den Rohstoffherstellern, die über ihren Branchenverband PlasticsEurope feststellen, dass die Kunden wegen der Preispolitik schon "total sauer" sind, und überragende Quartalsergebnisse bei vielen großen Abnehmern von Kunststoffprodukten passen nicht zusammen mit der weitaus schlechteren Ertragssituation vieler Kunststoffverarbeiter und ergeben nicht das gesunde ausgewogene Bild einer gut funktionierenden Lieferkette.

Deshalb fordert TecPart für die Verarbeiter, stabilere und kalkulierbarere Preise der Rohstoffe sowie einen Markt der das Veredeln des teuren Rohstoffes zeitnah honoriert, dann können auch die seit Anfang des Jahres durch die Branche geschaffenen 6.000 Arbeitsplätze gesichert und weiter entwickelt werden.

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