09.08.2010

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Thailand: Nachfrage nach Kunststoffen zeigt wieder nach oben

Die Kunststoffindustrie Thailands soll sich 2010 nach Einschätzung des thailändischen Industrieministeriums wieder leicht erholen. Die Trendwende zeichnete sich demzufolge bereits ab der zweiten Jahreshälfte 2009 ab und wurde von der zunehmenden internationalen Nachfrage sowie den in Thailand lancierten Konjunkturpaketen maßgeblich angekurbelt. Konkrete Wachstumsprognosen für Umsatz oder Produktion des Gesamtsektors sind jedoch weder beim Fachverband noch bei offiziellen Institutionen abzurufen.

Rückschlüsse auf die Entwicklung der Branche lassen sich daher in erster Linie aus den Firmenumsätzen und Außenhandelsstatistiken ziehen. Im Gesamtjahr 2009 sanken die thailändischen Einfuhren von Kunststofferzeugnissen nach Angaben des Handelsministeriums um 15,1% auf 2,1 Mrd. US$. In den Jahren zuvor hatten die Branchenimporte noch stetig angezogen, wobei sich die Steigerungsraten zwischen 6 und 10% bewegten. Etwa 37,6% der Einfuhren von Kunststoffen entfielen 2009 auf Filme, Folien und Streifen sowie auf Rohre und Leitungen (4,2 %). Die wichtigsten Herkunftsländer waren Japan, die VR China, Malaysia und die USA. Angesichts des allgemeinen Aufschwungs bei den Importen, die im 1. Halbjahr 2010 um mehr als 50% im Vergleich mit derselben Vorjahresperiode explodiert waren, dürften sich auch die Einfuhren von Kunststoffen relativ schnell wieder erholen.

Auch die Entwicklung der Exporte zeigte 2009 nach unten. Mit 2,3 Mrd. $ lagen die Ausfuhren von Kunststoffen um 14,4% unter dem Resultat des Vorjahres. Seit 2004 hatten die Branchenexporte noch deutlich zugelegt und mitunter Wachstumsraten von 20% realisieren können. Die drei wichtigsten Ausfuhrpositionen setzten sich 2009 aus Filmen, Folien und Streifen (32,1%), Taschen und Tüten (22,7%) sowie Geschirr (4,5%) zusammen. Die größten Abnehmer von thailändischen Kunststofferzeugnissen waren nach Auskunft des Handelsministeriums die USA, Indonesien und Australien. Die in der Vergangenheit im Vergleich mit der Importseite höheren Wachstumsraten der Kunststoffexporte spiegeln die zunehmende internationale Konkurrenzfähigkeit der thailändischen Branchenfirmen wider.

Für einen Aufschwung in Zukunft sprechen nach Einschätzung der Regierungsinstitution Office of Industrial Economics (OIE), dass die lokalen Hauptabnehmersektoren für Kunststofferzeugnisse wie die Kfz- und Elektronikindustrie, die Herstellung von Festplatten, die Nahrungsmittel- und die Verpackungsbranche sowie das Baugewerbe 2010 zum Teil sehr hohe Wachstumsraten aufweisen. Des Weiteren wirken sich die 2009 initiierten internationalen Konjunkturpakete weiterhin positiv auf die Auslandsnachfrage nach thailändischen Erzeugnissen aus. Übergreifend sollen die Ausfuhren Thailands 2010 um fast 20% nach oben zeigen, was ebenfalls die Nachfrage der stark exportabhängigen Kunststoffindustrie ankurbeln dürfte.

Beispielhaft dafür steht die Entwicklung beim Branchenunternehmen T. Krungthai Industries Plc (TKT), das vorwiegend die Kfz- und Elektronikindustrie mit Vorerzeugnissen beliefert. Der Kunststoffhersteller konnte bereits im 1. Quartal 2010 ein neues Rekordergebnis erzielen und zeigt sich Medienberichten zu Folge davon überzeugt, dass im Gesamtjahr das Wachstumsziel von 15% deutlich übertroffen werden kann. Der stellvertretende Geschäftsführer, Choompol Techakrisri prognostizierte in der "Bangkok Post", dass der Firmenumsatz 2010 aufgrund der dynamischen Entwicklung des thailändischen Kfz-Sektors sogar um 30 bis 40% in die Höhe schnellen könnte. Die Produktion der thailändischen Fahrzeugschmieden war in den ersten Monaten 2010 um fast 100% explosionsartig gestiegen.

Als weitere Antriebsfeder entpuppt sich für den thailändischen Kunststoffsektor zunehmend die Etablierung der Freihandelszone AFTA (ASEAN Free Trade Area), die am 1.1.10 mit der drastischen Reduzierung der intraregionalen Zölle in ein neues Entwicklungsstadium eingetreten ist. Unternehmen wie Srithai Superware Plc, der größte Melamin-Hersteller Thailands, gehen daher sogar von einem "goldenen Geschäftsjahr" aus. Die Firmenumsätze mit Verpackungsmaterialien für den Nahrungsmittel- und Getränkesektor dürften sich demzufolge 2010 verdoppeln. Um mit der rapiden Entwicklung Schritt halten und weitere Skaleneffekte generieren zu können, bestellte Srithai Presseangaben zu Folge neue Technologie aus Europa.

Darüber hinaus will das Unternehmen aufgrund der steigenden Nachfrage aus dem Nahrungsmittelsektor in die Ausweitung der Kapazitäten investieren. So plant Srithai, 650 Mio. Baht (B, rund 13,5 Mio. Euro, 1 Euro = 48,13 B - Jahresdurchschnitt 2009).für den Ausbau der drei in Fabriken Nakhon Ratchasima, Samut Prakan und Chonburi auszugeben. Von dieser Summe sollen 130 Mio. B in den Erwerb neuer Ausrüstungen fließen. Weitere 130 Mio. B werden voraussichtlich in die Erweiterung der Produktionsanlagen in Indien und Vietnam investiert. Andere Branchenunternehmen wie beispielsweise Indorama Ventures Plc (IVL) strecken ihre Fühler noch weiter bis nach Europa aus und haben bei ihren Investitionsaktivitäten vor allem Italien und die Niederlande im Visier.

Die börsennotierte Gesellschaft Polypex (Thailand) Plc (PTL) setzt hingegen auf den Heimatmarkt und hat 22 Mio. $ für eine neue Produktionslinie ausgegeben, die ihren Betrieb noch im Jahresverlauf 2010 aufnehmen soll. Für den Hersteller von Kunststofffilmen ist dieser Schritt ein wichtiger Teil der übergeordneten Strategie, künftig auf Erzeugnisse mit höherem Mehrwert zu setzen. Bisher zeichnen einfache Filme noch für rund zwei Drittel des Firmenumsatzes verantwortlich. Bis 2012 soll dieser Anteil auf 50% reduziert werden.

Thailands Produktpalette im Bereich Kunststoffe umfasst vor allem Tüten, Säcke, Filme und Folien. Etwa 3.500 Branchenfirmen waren 2009 im Kunststoffsektor tätig, wovon die meisten als kleine oder mittelständische Betriebe eingestuft werden. Nur rund 10% der Unternehmen sind große Gesellschaften. Der Gesamtumsatz des Sektors soll sich Schätzungen zufolge auf 370 Mrd. B beziehungsweise 3,3 Mio. t belaufen. Die Produktionskosten setzen sich im Schnitt zu 70% aus Rohstoffen, 10 bis 15% aus Arbeitslöhnen, 8% aus Energieaufwendungen und 7 bis 12% aus sonstigen Kosten zusammen.

Hauptabnehmer für Kunststoffe in Thailand sind nach Angaben des Instituts PTIT (Petroleum Institute of Thailand) Hersteller von Verpackungen mit einem Anteil von 49%, gefolgt von Elektronikteilen (12%), der Kfz-Industrie (7%), dem Baugewerbe mit 6% sowie Textilien, Schuhen und dem Bausektor mit 6%. Verpackungen dürften künftig vor allem im Zuge der in Thailand immer stärker um sich greifenden Nutzung von Fertiggerichten weiter an Bedeutung gewinnen. Als weiterer Trend sehen Branchenexperten eine stärkere Fokussierung auf natürlich abbaubare Produkte wie Biokunststoffe voraus, wo Thailand aufgrund seiner natürlichen Ressourcen ein enormes Potenzial eingeräumt wird.

Vom 24. bis 27.6.10 fand in Thailand die Messe "Interplas 2010" statt, die als wichtigste Veranstaltung für die Branche in der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN)- Region gilt. Dabei fanden sich nach Angaben der Veranstalter 350 Aussteller aus 15 Ländern sowie rund 35.000 Besucher ein. Die zum 19. Mal stattfindende Messe wurde im internationalen Ausstellungszentrum Bangkok International Trade & Exhibition Centre (Bitec) in Bangkok ausgetragen, die nächste "Interplas" ist auf den 23. bis 26.6.11 terminiert. (A.H.)

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