02.10.2012

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Ticona: Neues PPS für 3D-Blasformverfahren

Mit dem neu entwickelten Fortron PPS hat Ticona Engineering Polymers nach eigenem Bekunden das erste Polyphenylsulfid (PPS) auf den Markt gebracht, das für 3D-Blasformen von Rohren mit extrem komplizierter Geometrie mittels Robotermanipulation bestimmt ist.

"Die Polymerwissenschaftler von Ticona haben für die Entwicklung eines neuen Fortron PPS zum Patent angemeldete Technologie genutzt. Die zukunftsweisenden Eigenschaften dieses Werkstoffs ermöglichen es Erstausrüstern (OEM), Hochtemperatur-Luftmanagementsysteme und Abgasrückführungssysteme (AGR) zu produzieren, die Komponenten mit komplizierten Formen und Konturen enthalten, die mit der Euro 6 Regulation breitflächig eingeführt werden", so Peter Radden, Application Development Engineer BU Automotive, von Ticona. "Der Vorteil für unsere Kunden liegt in einem für raue Umgebungen geeigneten und gegen hohe Temperaturen beständigen Material, das in nur einem Blasformvorgang zu einem Rohr mit mehreren 90°-Biegungen und komplizierten Konturen geformt werden kann."

Die Einführung dieses neuen Typs von Fortron PPS soll es Kunden ermöglichen, nun alle zur Verfügung stehenden Blasformtechnologien zu nutzen (Standardblasformen, 3D-Saugblasen sowie 3D rotermanipuliertes Blasformen mittels Roboter), um Lufteinlasssysteme und AGR-Rohre mit mehreren Biegungen in weniger Fertigungsschritten und mit kürzeren Zykluszeiten herzustellen.

"Der Motor mit innerer Verbrennung ist selbst angesichts der Tatsache, dass die Nachfrage nach leichteren und effizienteren traditionellen, Hybrid- und reinen Elektrofahrzeugen weiter anhält, ein wichtiger Teil der Kraftübertragung", erklärt Radden. "Während die Erstausrüster ihre Motoren kleiner gestalten, forcieren Sie die Erhöhung der PS(KW)-Zahl. Das führt zu höheren Betriebstemperaturen und der Notwendigkeit, kompaktere, leistungsstärkere Motoren in kleineren Motorräumen unterzubringen."

Das neue Fortron PPS, das in einem Versuch im Produktionsmaßstab alle Tests mit hohen Temperaturen bestanden habe, verfügt laut Hersteller über Materialeigenschaften, die den Standard von blasformbarem Fortron PPS übertreffen.

Ticona arbeite derzeit gemeinsam mit Röchling Automotive an einer neuen Luftkanalgeometrie mit Fortron PPS, das in der ersten gewerblichen PPS-Blasformanwendung in der Automobilindustrie eingesetzt worden sei. Im Jahr 2009 habe diese im Blasformverfahren hergestellte Luftleitung beim 12. Automotive Division Award der Society of Plastics Engineers (SPE) Central Europe den ersten Preis in der Kategorie Kraftübertragung und einen Grand Award in der Sammelkategorie Teile und Komponenten erhalten.

Verschiedene Faktoren wie geringere Ausschussraten, weniger Fertigungsschritte, kürzere Zykluszeiten und höhere Prozesssicherheit sollen dafür sorgen, dass Fortron PPS Kosteneinsparungen bringt. Darüber hinaus
können im Blasformverfahren hergestellte Rohre bis zu dreißig Prozent weniger wiegen als Aluminiumteile.

"Unsere neuen leistungsfähigeren Turboladersysteme erforderten eine neue Konstruktion der Luftkanäle mit extrem komplexer Geometrie, die durch 3D-Blasformen mittels Roboter geformt werden können", erläutert Paolo Curci, Röchling Automotive Advanced Projects Developer. "Gemeinsam mit den Ingenieuren von Ticona konnten wir die Werkstoffeigenschaften an unsere Konstruktion und unser Verfahren anpassen. Durch die genaue Abstimmung der Materialzusammensetzung waren weniger Versuche im Produktionsmaßstab notwendig."

Das zunächst in der Automobilindustrie verwendete Fortron PPS werde ebenfalls bereits in der Lebensmittelindustrie und als MT-grade imTrinkwasserbereich eingesetzt und getestet.