09.08.2010

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Trauer um Hermann Kronseder

Kronseder stammt aus einer Oberpfälzer Handwerker-Familie. Der Sohn eines Schmieds machte Ende der dreißiger Jahre eine Flugzeugbauerlehre bei der Fa. Messerschmitt in Regensburg und musste anschließend Kriegsdienst und Gefangenschaft durchleben. Diese harte Zeit bestärkte seinen Willen, mehr lernen und selbständig sein zu wollen. Ende der vierziger Jahre legte er in Regensburg die Prüfung zum Maschinenschlossermeister und dann auch zum Elektromeister ab. 1951 machte sich der damals 27-Jährige mit einem "Handwerksbetrieb für Elektromaschinenbau" unter schwierigen Ausgangsbedingungen in Neutraubling selbständig. In der mit eigenen Händen gebauten Werkstatt, für heutige Verhältnisse eher ein Schuppen, wurden bald halbautomatische Etikettiermaschinen gebaut, deren Pläne Kronseder am heimischen Küchentisch zeichnete. Die erste halbautomatische Maschine hatte eine Leistung von damals stolzen 1 500 etikettierten Flaschen pro Stunde. Heute werden mit vollautomatischen Maschinen bis zu 72 000 Faschen stündlich etikettiert, in bestimmten Fällen auch noch deutlich mehr.


In den sechziger Jahren verdoppelte sich der Umsatz von Krones im Schnitt alle drei Jahre und das Exportgeschäft kam in Schwung. In den siebziger Jahren entstanden weitere Werke in der Oberpfalz und der Bau von Flaschenabfüllmaschinen begann. Schon damals realisierte Hermann Kronseder die ersten BLOC-Konzepte und erreichte damit eine enge mechanische Verkettung von Füllmaschine, Verschließ- und Etikettiermaschine. Diese mechanische Verkettung, war damals eine bahnbrechende Leistung.


1980 in eine AG umgewandelt und seit 1984 börsennotiert nahm Krones nach und nach alle weiteren Maschinen für die Abfüll- und Verpackungstechnik in das Fertigungsprogramm auf. Das dadurch mögliche Anlagengeschäft wurde systematisch ausgebaut. Prozesstechnik und Materialflusstechnik wurden integriert. Heute gilt Krones als Komplettanbieter, dessen Produktprogramm selbst den Neubau von Brauereien und Getränkebetrieben umfasst. Auftraggeber sind neben Brauereien und Getränkebetrieben auch Unternehmen aus den Bereichen Lebensmittel, Chemie, Kosmetik sowie Pharma.


1996 übernahm Hermann Kronseder den Aufsichtsratsvorsitz der Krones AG. Volker Kronseder wurde zum Vorstandsvorsitzenden berufen. 1997 gab Hermann Kronseder aus gesundheitlichen Gründen das Amt wieder ab. Er selbst fühlte sich ohnehin eher als Erfinder, denn als Unternehmer, was er sehr ausdrucksvoll in seiner Autobiographie "Mein Leben", die in fünf Sprachen übersetzt wurde, beschreibt. Seine 630 persönlichen Patente bezeugen das anschaulich. Die technologische Führerschaft des von ihm gegründeten Unternehmens, das im Laufe der Jahre zu einem Weltmarkführer in der Verpackungsmaschinenindustrie aufstieg, belegen mehr als 1.600 eingetragene Patente und Gebrauchsmuster.


Kronseder, in der Fachwelt gern "Motor des Getränkemaschinenbaus" genannt, wurde vielfach gewürdigt. Neben hohen bayerischen Ehrungen erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und die Diesel-Medaille in Gold des Deutschen Instituts für Erfindungswesen. Diese von ihm am meisten geschätzte Auszeichnung stellte ihn in eine Reihe mit Ludwig Bölkow, Wernher von Braun und Konrad Zuse. 1993 verlieh ihm die Fakultät Weihenstephan der Technischen Universität München die Ehrendoktorwürde in besonderer Anerkennung seines interdisziplinären Denkens. Im selben Jahr erhielt Hermann Kronseder die Ehrenbürgerwürde der Stadt Nittenau. Die Stadt Neutraubling ernannte ihn im Mai 2004 zu ihrem Ehrenbürger.


Mit Volker Kronseder als Vorstandsvorsitzendem und dessen Vorstandsteam stieg der Konzernumsatz seit 1996 von rd. 834 Mio. EUR auf über 2 Mrd. EUR, davon stammen weit mehr als 80 % aus dem Auslandsgeschäft. Im Rahmen des Generationswechsels erhielt die Unternehmensgruppe mit heute über 10 000 Beschäftigten, davon fast 8 200 in Deutschland. Das Kapital der Krones AG befindet sich zu gut 54 % im Besitz der Familie Kronseder. Hermann Kronseder hatte die Aktienmehrheit bereits in den achtziger Jahren auf seine Söhne übertragen.


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