16.09.2013

www.gupta-verlag.de/kautschuk

Trauer um Johann Arndt

Die Zeitschrift, die mit Inhaltsübersichten in Englisch, Französisch und Russisch erschienen ist, war für mehr als drei Jahrzehnte eine wichtige Informationsquelle, v. a. in Ostdeutschland und in den osteuropäischen Ländern. Herausgeber waren der Fachverband "Chemische Technik" der "Kammer der Technik" - einer Organisation von Wissenschaftlern, Technikern, Ingenieuren und Ökonomen in der ehemaligen DDR - und der VEB Zentrale Informationsverarbeitung Chemie im Auftrag des Ministeriums für Chemische Industrie der DDR. Johann Arndt hat am 3. April 1931 als Spross einer Bauernfamilie mit deutscher Herkunft in Mucsfa in der südungarischen Provinz Tolna das Licht der Welt erblickt. Er wuchs in einem Gebiet auf, das durch Ackerbau, Viehzucht sowie Wein- und Obstbau, und durch die Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse geprägt war. 1948 wurde seine Familie in die sowjetisch besetzte Zone Deutschlands umgesiedelt. Hier fand er zunächst Arbeit in unterschiedlichen Betrieben der Land- und Forstwirtschaft und im Bergbau. Bald erhielt er auch die Möglichkeit, seine Oberschulausbildung abzuschließen und das Abitur abzulegen. Von 1954 bis 1960 studierte er Chemie an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig. Parallel zum Chemiestudium besuchte er an der Universität das Seminar für ungarische Sprache und Literatur. Ergebnisse seiner Studien sind das Chemiediplom und der Abschluss als Fachübersetzer für Chemie. Dies waren gute Voraussetzungen für eine Arbeit im Verlagswesen, die ihm in dem 1960 gegründeten Deutschen Verlag für Grundstoffindustrie in Leipzig geboten wurde. Nach dem Ökonomischen Lexikon des Verlages Die Wirtschaft (dritte Auflage von 1979) war dieser Verlag einer von 78 Verlagen bzw. von 40 Verlagen für Fach- und wissenschaftliche Literatur in der ehemaligen DDR. Er war zuständig für die Geowissenschaften, für Kohle und Energie ebenso für Bergbau, Metallurgie und die chemische Industrie. Das Fachbuchprogramm reichte dabei bis zur Umwelttechnik. Nach einer kurzen praktischen Tätigkeit in der Filmfabrik Wolfen trat er im September 1961 als Redakteur in den Verlag ein. Hier wurde ihm die Verantwortung für die Fachzeitschrift "Plaste und Kautschuk" mit dem Untertitel "Zeitschrift für Wirtschaft, Wissenschaft und Technik der hochpolymeren Werkstoffe" übertragen. In Heft 12/1984 hat er seine Zeitschrift wie folgt charakterisiert: "Die Zeitschrift […] veröffentlicht Übersichtsbeiträge, kurze Originalarbeiten sowie Informationsbeiträge aus den Gebieten Herstellung, Charakterisierung, Verarbeitung und Anwendung hochpolymerer Werkstoffe unter Berücksichtigung der Chemie und Physik, Ökonomie sowie im Fachteil "Anstrichstoffe" Arbeiten, die in engerer Beziehung zum polymeren Bindemittel stehen, einschließlich des zugehörigen Maschinen- und Gerätebaus." Voraussetzung für die Annahme von Beiträgen war, "dass die Arbeiten noch an keiner anderen Stelle des In- und Auslands ganz oder teilweise erschienen sind oder zur Veröffentlichung eingereicht wurden". Für ausführliche Artikel bot Johann Arndt die Veröffentlichung einer Kurzfassung und die Deponierung des gesamten Textes beim Zentralen Informationsinstitut der chemischen Industrie in Berlin-Johannisthal an, von dem die Artikel als Mikrofilmkopie bezogen werden konnten. Neben Originalbeiträgen aus der Forschung und Entwicklung von Instituten und Unternehmen bot die Zeitschrift Aufsätze über Erfahrungen aus der Verarbeitung und Anwendung von Kunststoffen sowie von Elastomeren und Anstrichstoffen, Veranstaltungsberichte, Buchbesprechungen, außerdem Kurzberichte aus der Forschung, der Technik und der Wirtschaft. Wiederholt wurde dabei das Fachmagazin "Gummi Fasern Kunststoffe" als Quelle genutzt. Eine Hilfe war ihm bei dieser Tätigkeit ein Redaktionsbeirat mit mehr als 20 Persönlichkeiten, zu denen auch führende Wissenschaftler aus ?ódz?, Moskau, Prag und Sofia gehörten. Wer heute die Ausgaben der Zeitschrift aus den 33 Jahren seiner Tätigkeiten durchblättert, erkennt, dass es ihm sehr gut gelungen ist, seinen Lesern den neuesten Stand des Wissens monatlich zu liefern und ihnen Anregungen für die Forschung und die Praxis zu vermitteln. Die von ihm bearbeiteten Ausgaben von "Plaste und Kautschuk" finden sich heute noch in zahlreichen Bibliotheken. Sie sind Belege seines erfolgreichen Schaffens. Das Archiv des Deutschen Verlages für Grundstoffindustrie wurde im Sächsischen Wirtschaftsarchiv in Leipzig gesichert. Die Autoren lernten Johann Arndt als einen kompetenten, aufgeschlossenen und sensiblen Partner kennen. Er wird ihnen als sorgfältiger und zuverlässiger Mann in Erinnerung bleiben. Mit 33 Jahrgängen von "Plaste und Kautschuk" und 13 aus dem Ungarischen übersetzten Sach- und Fachbüchern hinterlässt er ein bedeutendes Lebenswerk. Die letzten Jahre seines Lebens hat Johann Arndt in der ehemaligen thüringischen Residenzstadt Greiz verbracht. Er hat hier die Entwicklungen in der Chemie und Technologie der hochpolymeren Werkstoffe und die ungarische Fachpresse für die GAK-Leser verfolgt. Sie werden leider in Zukunft auf die mit "JA" gekennzeichneten Beiträge über die Entwicklungen in Ungarn und in den osteuropäischen Ländern verzichten müssen. - GG -

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