27/07/2011

Siemens AG

Unterwasserturbine liefert Strom aus Ebbe und Flut

Siemens setzt bei alternativen Energien auch auf die Gezeiten, wie die Zeitschrift "Pictures of the Future" in ihrer aktuellen Aus­gabe berichtet. Das Unternehmen hat sich am weltweit ersten kommerziellen Kraftwerk beteiligt, das Strom aus Gezeitenströmungen gewinnt. Die Anlage SeaGen in der irischen See liefert eine Leistung von 1,2 Megawatt und kann damit etwa 1500 Haushalte mit Strom versorgen. Dabei treiben die Meeresströmungen, die durch Ebbe und Flut entstehen, seit 2008 zwei große Unterwasser-Rotoren an. Siemens hält seit 2010 zehn Prozent der Anteile an der Betreiberfirma Marine Current Turbines. 2014 soll vor Schottland eine größere Anlage mit acht Megawatt Leistung installiert werden, die dann rund 8000 Haushalte mit Gezeitenstrom versorgen wird.

Nach Angaben der Internationalen Energie Agentur ließen sich pro Jahr aus den Meeresströmungen weltweit 800 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugen. Das ist etwa ein Drittel mehr als die jährliche Stromproduktion in Deutschland und genug, um 250 Millionen Haushalte zu versorgen.

SeaGen steht vor dem nordirischen Städtchen Strangford in einer Meerenge, wo besonders starke Gezeitenströme auftreten. Die Anlage besteht aus einem drei Meter dicken Turm, der in 30 Meter Tiefe am Meeresboden verankert ist und – je nach Wasserpegel –weit aus dem Meer herausragt. Unter Wasser drehen sich an jeder Seite zwei Rotoren mit 16 Metern Durchmesser in der Strömung. Zusammen überdecken sie eine Fläche von rund 400 Quadratmetern. Um beide Strömungsrichtungen – also zu- und ablaufendes Wasser – zu nutzen, kippen die Rotorblätter um 180 Grad, sobald sich die Fließrichtung umkehrt.

Meeresströmungsanlagen sind etwa doppelt so teuer wie vergleichbare Offshore-Windparks, haben aber ihre Vorteile: Um die 6.000 Megawattstunden pro Jahr, die Seagen erzeugt, aus einer Offshore-Windanlage zu gewinnen, müsste man knapp die doppelte Leistung installieren. Die Meeresenergie ist auch besser kalkulierbar als Wind- oder Sonnenenergie, weil Gezeiten- und andere Meeresströmungen sich gut vorhersagen lassen. Die Beteiligung an Marine Current Turbines ist Teil des Siemens-Umweltportfolios, mit dem das Unternehmen im Geschäftsjahr 2010 rund 28 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftete.

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