15.07.2014

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VDI: Leichtbau bleibt die Königsdisziplin in der Automobilbranche

Auch in diesem Jahr war auf dem Leichtbaukongress der VDI Wissensforum GmbH am 9. und 10. Juli 2014 deutlich zu sehen, dass Leichtbau eine der herausragenden Disziplinen der Automobilbranche ist. "Leichtbau im Automobil ist weit mehr als Verbrauchsreduzierung, es ist fühlbarer Kundenwert und somit wettbewerbsrelevant", so unterstrich Kongressleiter Heinrich Timm, die Wichtigkeit des Themas in seiner Eröffnungsrede.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand vor allem die Gegenüberstellung von den Schlüsseltechnologien und Werkstoffen. Hierbei betrachteten die anwesenden Experten die Karosserie, das Fahrwerk und den Motor gemeinsam, um aktuelle Leichtbaustrategien zu diskutieren und bewerten. Fünf der aktuellen Fahrzeugmodelle standen während des Kongresses aus und konnten live begutachtet werden.

Dieses Mal war der Leichtbaukongress zu Gast bei BMW in Leipzig. Denn jedes Jahr bietet ein anderer Automobilhersteller dem VDI einen passenden Veranstaltungsort. "Ich freue mich, dass wir so gut mit den OEMs kooperieren", erklärt Dr. Wolfgang Frech, Mitglied der Geschäftsleitung und Abteilungsleiter für Fahrzeugindustrie bei der VDI Wissensforum GmbH. Selbstverständlich gab es auch eine Werksführung bei BMW, bei der die Teilnehmer Einblicke in die BMW i3 Produktion bekamen. Unter dem Motto "Beginn einer neuen Ära" hat BMW die Serienproduktion des Elektrofahrzeugs BMW i3 in Leipzig gestartet. Es handelt sich dabei um die erstmalige Industrialisierung des Werkstoffes CFK im Automobilbau.

Die Reihe der Einführungsvorträge beim Kongress eröffnete Prof. Dr. Helmut Schramm, Leiter Produktion Elektrofahrzeuge von BMW. In seinem Vortrag veranschaulichte er den Produktionsanlauf einer neuen Technologie am Beispiel des BMW i3. Dr. Frank-Steffen Walliser, Gesamtprojektleiter 918 Spyder von Porsche, schloss sich mit seinem Beitrag an und sprach über den Leichtbau in neuen Dimensionen am Beispiel eines Plug-In Hybrid Supersportwagens. Aber wie sieht es mit den Kosten der neuen Leichtbauweisen aus? Dieser Frage widmete sich Dr. Lars Herbeck, Geschäftsführer von Voith Composites. Als Experte auf diesem Gebiet stellte er vor, wie sich Kosten durch die Verkürzung der Wertschöpfungskette von Composites für die Automobilindustrie reduzieren lassen. "Beim Einsatz neuer Technologien sollte unbedingt das maximale Integrationspotenzial ausgenutzt werden", kommentierte Kongressleiter Timm. "Dann können selbst kostenintensivere Materialien wirtschaftlich werden."

Unter dem Titel "Quo vadis Fertigung?" berichtete Dr. Martin Hillebrecht, Abteilungsleiter Competence Center Leichtbau von EDAG Engineering, über Zukunftspotenziale durch die generative Fertigung von ultraleichten multifunktionalen Komponenten. EDAG Engineering hat die Vision von einer werkzeuglosen Fertigung von komplexen Strukturen mit unerreichter Gestaltungsfreiheit und maximalem Leichtbaupotenzial für kleine Serien direkt aus den Datensätzen entwickelt - den Genesis.

Der zweite Kongresstag begann mit dem Themenschwerpunkt Schlüsseltechnologien für den Leichtbau. Unter anderem präsentierte Dr. Carsten Rink von Constellium ZIP die Besonderheiten von Aluminium als Karosseriewerkstoff. Marcus Ruhnau, Leiter Werkstofftechnik bei Dr. Schneider Kunststoffwerke, sprach über Leichtbau im automobilen Interieur. "Selbst wenn der Leichtbau im Interieur bisher nicht im absoluten Fokus stand, werden aktuell auch hier Innovationen realisiert", sagte Ruhnau. Das Ziel, das Gesamtgewicht des Fahrzeugs und den Gesamt CO2-Ausstoß weiter zu verringern, wird bei Dr. Schneider Kunststoffwerke mit vielschichtigen Ansätzen unter dem Slogan "Excellence in Plastics" gelebt.

Den Kongress schloss Prof. Jan-Anders Månson vom Laboratory of Polymer and Composite Materials (LTC) ab mit seinem Vortrag zu den Auswirkungen von Nachhaltigkeit von zukünftigen Werkstoffen. Er bezog sich in seinem Vortrag auf absatzstarke Werkstoffe und thematisierte das ökonomische und ökologische Lebensdauerverhalten. "Der Leichtbaukongress war wieder einmal ein voller Erfolg", so Dr. Frech. Rund 150 Personen nahmen an dem Kongress teil. Auch im nächsten Jahr wird der Leichtbaukongress wieder stattfinden.

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