18.12.2015

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VDWF: Erfolgreiche Ausbildungsinitiative für Werkzeug- und Formenbauer

"Wir müssen es schaffen, das Berufsbild des Werkzeug- und Formenbauers neu zu definieren, damit wir beruhigt in die Zukunft schauen können", erklärte Professor Thomas Seul bei seiner Antrittsrede als neuer VDWF-Präsident im Frühjahr 2010. Zentrale Bedeutung komme dabei der Aus- und Weiterbildung zu. Sie müsse am Puls der Zeit bleiben und in ihren Inhalten den rasanten technischen Fortschritt abbilden. "Das Geld wird im Werkzeug- und Formenbau mit Know-how verdient. Das ist unsere Ressource. Wir müssen sie hegen und pflegen, um wettbewerbsfähig und Taktgeber für Innovationen zu bleiben."

Seul ist Prorektor für Forschung und Transfer an der Hochschule Schmalkalden. Fortschrittlichkeit fordert er nicht nur in den Berufsbegleitenden Studiengängen, die der VDWF gemeinsam mit der HSSM ins Leben gerufen hat. Auch an der Basis, bei der Ausbildung der Lehrlinge im Werkzeug- und Formenbau, müsse nach vorn gedacht werden. "Wenn wir konsequent und verantwortungsbewusst unsere jungen Werkzeugmacher schulen, wird unsere Branche auch in den nächsten Generationen fähige und flexible Protagonisten hervorbringen, die den Takt angeben. Einen Takt der geprägt sein muss von höchster Präzision und vom Blick fürs Ganze bei der Herstellung von Werkzeugen für die Produkte von morgen."

Seuls Weckruf sorgte für einen Aufbruch im Verband. Die Verantwortlichen beim VDWF krempelten die Ärmel hoch und stellten sich der Herausforderung. In mehreren Arbeitskreisen wurde innerhalb eines Jahres eine VDWF-Ausbildunginitiative ausgearbeitet. Seit dem Frühjahr 2013 wird sie umgesetzt.

Intensivunterricht beim VDWF schließt Lücke zwischen Lehrplan und Praxis
Damals starteten acht Lehrlinge mit dem ersten Pilot-Blockunterricht. Die Skepsis war groß: Würde das gutgehen, acht Jugendliche für zwei Wochen Tag und Nacht an einem Ort? Doch der Erfolg des Lehrgangs zerstreute alle Zweifel. Aus dem Pilotprojekt ist ein fester Bildungsweg geworden, auf dem Auszubildende Spezialkenntnisse erlangen und der die betriebliche Ausbildung und den Lehrplan der Berufsschule ergänzt. Bis heute fanden zehn Lehrgänge für den Bereich Spritzguss statt, sechs für das 2. und vier für das 3. Lehrjahr. Ausbildungspartner des Verbands ist das Bildungs-Center Südthüringen (BCS) in Zella-Mehlis. Erweitert wurde das VDWF-Angebot dieses Jahr mit einem speziellen Programm für Auszubildende aus Betrieben, die Stanz- und Umformwerkzeuge fertigen.

Markus Bay, VDWF-Vorstand für Ausbildung, ist einer der Hauptinitiatoren der Ausbildungsinitiative. "Unsere Lehrlinge bekommen über den normalen Lehrplan einfach nicht die nötigen theoretischen und praktischen Spezialkenntnisse der Branche vermittelt. In der Berufsschule werden die Themen häufig nur gestreift", sagt Bay. Sowohl im Bereich Spritzguss als auch beim Stanzwerkzeugbau bestehe eine große Lücke zwischen Lerninhalten und benötigtem Praxis-Wissen. "Das ist weniger eine Kritik an den Berufsschulen, als vielmehr die Problematik der momentanen Entwicklung beim Beruf des Werkzeug- und Formenbauers." Hightech und eine beschleunigte technische Entwicklung findet sich in allen Bereichen der Branche. Das riesige Spektrum des Werkzeug- und Formenbaus - von der Heißkanaltechnik bis zu Schieber- oder Entlüftungstechnologie - könne nicht in wenigen komprimierten Schulstunden umfassend vermittelt werden. "Das ist aber die Situation - und sie entspricht nicht unseren Ansprüchen in einer hochtechnischen Branche", sagt Bay. "Lehrlinge müssen früh Einblicke in die Produktionsprozesse erhalten, um ein Gefühl für das große Ganze zu entwickeln." Auch die Ausstattung der Berufsschulen sei häufig sehr unterschiedlich, oftmals auch veraltet bzw. entspräche nicht mehr dem geforderten Standard. Genau hier kann das BCS punkten: Mit neuer Maschinentechnik bei der Metallbearbeitung, bei der Spritzgieß- und Messtechnik, aber auch mit dem gesamten Umfeld: Im Gästehaus gibt es Vollpension und Rund-um-die-Uhr-Betreuung für noch nicht volljährige Lehrgangsteilnehmer inklusive Abend- bzw. Rahmenprogramm.

Unternehmen freuen sich über hochmotivierte Azubis
Das Bildungskonzept sorgt für jede Menge positive Rückmeldung aus den Unternehmen der Branche. "Die Lehrgänge sind bares Geld wert", sagt Franz Tschacha. Der Geschäftsführer bei Deckerform aus Aichach schickte bisher vier Azubis in die Lehrgänge und will künftig alle Lehrlinge beim VDWF schulen lassen - selbst die Bürokaufleute. Tschacha: "Meinen Jungs und meinen Mädels wurden hier Inhalte nahe gebracht, die es in der Berufsschule in dieser Art nicht gibt und die wir auch im Betrieb in dieser Intensität nicht abbilden können." Das sind insbesondere Themen aus der Kunststoffverarbeitung oder der Werkzeugtemperierung. "Der VDWF schließt damit die Kluft zwischen Berufsschulausbildung und dem benötigten Wissen im Tagesgeschäft in Theorie und Praxis", sagt Tschacha. Seine Lehrlinge kamen dadurch alle mit einem kräftigen Motivationsschub an ihren Arbeitsplatz zurück.

Karl-Heinz Müller, Geschäftsführer der Karl-Heinz Müller KG aus Balingen-Engstlatt, hat nicht nur den inhaltlich-fachlichen Know-how-Gewinn bei seinen Lehrlingen festgestellt: "Wenn sich acht Jungs zwei Wochen lang beim VDWF nur mit dem Werkzeug- und Formenbau beschäftigen, schweißt das zusammen. Da lernt man, wie man anständig miteinander umgeht - und das ist auch ganz im Sinne der gesamten Branche."

Günter Hofmann, Geschäftsführer der Hofmann Innovation Group GmbH aus Lichtenfels, wählt für die Lehrgänge nicht nur diejenigen seiner Azubis aus, die gute Leistungen zeigen. "Ein großer Vorteil der VDWF-Ausbildungsinitiative ist, dass die Lehrlinge auch mal rauskommen und den Blick über den Tellerrand wagen dürfen. Das zahlt sich auf die Dauer aus, denn die Azubis sind ja unsere Mitarbeiter von morgen." Qualifizierte und motivierte Mitarbeiter seien die Basis des Geschäftserfolgs. Hoffmann: "Unsere Jungs waren ziemlich stolz, dass sie an dem Blockunterricht teilnehmen durften. So etwas spricht sich herum. Und so bekommt man dann auch wieder gute neue Lehrlinge."

Für Patrick Christmann, Meister bei der Schenk & Schmid Werkzeugbau GmbH aus Schwendi, ist es wesentlich, dass die Lehrlinge im Blockunterricht in Zella-Mehlis oder in Lüdenscheid am realen Objekt Praxis erleben können. "Sie sehen z.B. mal was passiert, wenn man den Anspritzpunkt versetzt", sagt Christmann. "Unsere Auszubildenden konnten beim VDWF mal etwas ausprobieren, ohne dass wirklich etwas kaputtgeht." Fehler zu machen, ist bei den Lehrgängen nicht nur erlaubt, es gehört sogar zum Konzept.

Fehler machen, gehört zum Konzept der Lehrgänge
Um aber aus Fehlern wirklich etwa zu lernen, müssen sie möglichst realitätsnah gemacht werden dürfen. Wesentlich ist daher, dass das Kunststoffzentrum und auch die gesamte Werkstattausrüstung am BCS auf dem neuesten Stand der Technik sind. "Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Verbindung zwischen Werkzeug und Maschine", sagt BCS-Geschäftsführer Horst Gerlach. "So können wir in kleinen Gruppen, aufbauend auf dem theoretischen Unterricht, auch in praktischen Versuchen das Verständnis für Technologien, Maschinen, Verfahren und Prozesse vermitteln." In den beiden Lehrgangswochen ergebe sich eine positive Wettbewerbsatmosphäre innerhalb der Gruppen. Garlach: "Die jungen Berufsanfänger wollen zeigen, dass sie fit für den Werkzeug- und Formenbau sind, sie sind wissbegierig und saugen alles auf, was ihnen an den Berufsschulen nicht geboten werden kann." Nach den Lehrgängen würden die jungen Werkzeugmacher meist in Kontakt bleiben und auch über fachliche Themen spannende technische Diskussionen führen. "Das erfahre ich immer wieder in Gesprächen mit Ehemaligen", sagt Gerlach.

Positive Rückmeldung kommt auch von den Auszubildenden selbst. "Das Highlight war für mich, den eigentlichen Spritzgießvorgang vermittelt zu bekommen und Werkzeuge in Funktion zu erleben. Das war eine tolle Erfahrung", sagt Azubi Kai Martin von der Pfletschinger + Gauch GmbH aus Plochingen. Durch die enge Verbindung zwischen Theorie und Praxis bei den VDWF-Blockseminaren habe er einen Gesamtüberblick gewonnen. "Das führt dazu, dass ich jetzt viel selbständiger arbeiten kann", sagt Martin. Der Lehrling hat einen Lehrgang für das 3. Ausbildungsjahr besucht. Spannend wurde es für Martin am Ende, als im persönlichen Gespräch zwischen der Prüfungskommission und den teilnehmenden Auszubildenden das vermittelte Wissen abgefragt und bewertet wurde. Kai Martin und seine Mitstreiter ließen sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen. "Schließlich konnten wir uns auch gegenseitig gut weiterhelfen, da wir ja in unseren Betrieben aus Abteilungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten kamen. Da war auch das Prüfungsgespräch am Ende kein Problem, nachdem wir alle zusammen das Wichtigste noch mal wiederholt haben." Vor der Prüfungskommission hätten er und seine Kollegen sich besonders angestrengt. Martin: "Jeder von uns wollte seinen Betrieb möglichst gut vertreten - zumal auf unserer Arbeitskleidung ja jeder auch lesen konnte, woher wir kommen."

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