03.06.2013

Universität Basel

Wie Multitasking die Leistung verbessern kann

Eine Forschungsgruppe der Universität Basel hat herausgefunden, dass Multitasking nicht zwingend zu schlechteren Leistungen führt. Im Gegenteil, Multitasking kann die Leistung sogar verbessern – vorausgesetzt, die gestellte Aufgabe ist am besten mit einer einfachen Strategie zu lösen.

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Multitasking bei vielen Aufgaben die Leistung verringert. Die Wahrscheinlichkeit einer fehlerhaften Medikamentendosierung erhöht sich beispielsweise bei Krankenschwestern, die bei der Behandlung eines Patienten mehrfach unterbrochen werden. Wer beim Autofahren telefoniert, baut ebenfalls mit höherer Wahrscheinlichkeit einen Unfall. Manchmal kann Multitasking aber die Leistung sogar erhöhen. So spielen erfahrene Golfer, die abgelenkt werden, besser als Golfer, die sich ausschliesslich auf ihren Schlag konzentrieren. Auch eine Ablenkung durch die Anwesenheit anderer kann zu einer Leistungssteigerung führen. Aber weshalb ist das so?

Widersprüche klären
Ein Forschungsteam der Universität Basel hofft, diese augenscheinlichen Widersprüche aufzuklären, wie sie in einer kommenden Ausgabe des «Psychological Science», eine der führenden Zeitschriften in der Psychologie, berichten. Hauptautorin Janina Hoffmann, Doktorandin für Wirtschaftspsychologie, und ihre Co-Autoren Dr. Bettina von Helversen und Prof. Dr. Jörg Rieskamp, haben herausgefunden, dass sich die Wahl der Urteilsstrategie stark darauf auswirkt, wie die kognitive Belastung, welche durch das Multitasking entsteht, die Leistung beeinflusst.

Eine grössere kognitive Belastung kann tatsächlich zu einer Leistungssteigerung führen, wenn die gestellte Aufgabe am besten durch eine einfache, ähnlichkeitsbasierte Strategie zu lösen ist. Bei einer solchen Strategie werden Urteile basierend auf Erfahrung aus vergangenen Ereignissen gefällt.

Die Studie, die vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützt wurde, beruht auf den Resultaten aus zwei an der Universität Basel durchgeführten Experimente. Für das erste Experiment wurden 90 Teilnehmende unterschiedlich grossen kognitiven Belastungen ausgesetzt, während ihnen eine Urteilsaufgabe gestellt wurde, deren Lösung am besten durch eine ähnlichkeitsbasierte Strategie zu erreichen war. Die meisten Teilnehmenden entschieden sich für eine solche Strategie und erzielten bessere Urteilsleistungen als die Probanden, die unter niedriger oder unter keiner Belastung gelernt hatten.

Beim zweiten Experiment wurde 60 Teilnehmenden eine Urteilsaufgabe gestellt, auf die am besten eine regelbasierte Strategie passte. Diejenigen Teilnehmenden, die sich dennoch für eine ähnlichkeitsbasierte Strategie entschieden, erzielten schlechtere Urteile.

Eine kognitive Belastung führt also nicht per se zu schlechteren Urteilsleistungen, sondern kann – abhängig von der Wahl der Lösungsstrategie – sogar zu besseren Leistungen führen. Laut den Forschenden ist es von grosser Bedeutung, besser zu verstehen, welche kognitiven Strategien Menschen unter Belastung nutzen. Dazu Janina Hoffmann: «Ein besseres Verständnis dieser kognitiven Strategien würde zukünftigen Studien ermöglichen, genauer vorherzusagen, unter welchen Umständen Menschen Probleme besonders gut lösen können.»

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