05/03/2012

Ruhr-Universität Bochum

Wie sich der Gehirntumor verrät: MikroRNA als Marker für primäre Lymphome

Dem Patienten einen operativen Eingriff am Gehirn ersparen


An den Symptomen allein kann man die so genannten ZNS-Lymphome nicht erkennen. Sie rufen dieselben Anzeichen hervor wie viele andere Gehirnerkrankungen. Die notwendige Behandlung unterscheidet sich jedoch grundlegend, und je eher sie beginnt, desto größer sind die Heilungschancen. Eine genaue und rasche Diagnostik ist also unverzichtbar. Doch auch modernste bildgebende Untersuchungen wie die Kernspintomografie helfen vielfach nicht weiter. Um sicher zu sein, dass es sich um ein ZNS-Lymphom handelt, müssen die Mediziner eine Biopsie vornehmen. Das bedeutet einen operativen Eingriff am Gehirn zur Entnahme einer Gewebeprobe aus dem verdächtigen Areal – für den Patienten eine Belastung, die die Ärzte den Betroffenen gerne ersparen würden.

Drei Kandidaten als signifikante Marker

Hoffnung machen Erkenntnisse, deren Ausgangspunkt ein Zufall war. Aus ganz anderen Grund beschäftigte sich Dr. Alexander Baraniskin mit mikroRNA. Diese kleinen RNA-Sequenzen sind nicht kodierend. Dennoch haben sie eine wichtige Funktion. Sie können mit kodierender RNA interagieren und so die Produktion der in dieser RNA kodierten Proteine unterbinden. Da jede der rund 1500 mikroRNA-Sequenzen viele mögliche Partner hat, deutet das alleinige Vorkommen einer bestimmten mikroRNA nicht auf eine Erkrankung hin. Erst das Profil der Häufigkeit verschiedener Sequenzen kann aufschlussreich sein. Aus der Literatur ermitteln Baraniskin und Prof. Dr. Roland Schroers sechs mögliche mikroRNA-Kandidaten, deren gehäuftes Vorkommen auf ein ZNS-Lymphon hindeuten könnte. Diese mikroRNA suchten sie dann gezielt in Gewebeproben von ZNS-Lymphompatienten und Kontrollen: Als signifikante Marker stellten sich miR-21, miR-19b und miR-92a heraus. Zusammengenommen erlaubten die Marker mit über 90-prozentiger Genauigkeit einen Rückschluss auf das Vorliegen eines Lymphoms.

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