28.02.2011

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Windmöller & Hölscher: Blasfolienanlage AQUAREX kühlt mit Wasser

Mit der AQUAREX erweitert Windmöller & Hölscher sein breites Programm an Blasfolien-Extrusionsanlagen um ein Modell, das von oben nach unten arbeitet und Wasser anstelle von Luft zur Kühlung der Folie einsetzt. Neu an diesem Konzept ist, dass die von kleinen Spezialanlagen grundsätzlich bekannte Technologie erstmalig auf Anlagen angewendet wird, deren Leistung und Formatbereich auf die Industrie der flexiblen Verpackung zugeschnitten sind. W&H bietet Folienherstellern mit der AQUAREX eine Anlage, die ihnen die Schaffung einer ganzen Palette von Verpackungsinnovationen nicht nur im medizinischen Bereich erlaubt.

Durch die Wasserkühlung der Folienblase wird nach Anbieterangaben eine um den Faktor 30 gesteigerte Abkühlgeschwindigkeit gegenüber der herkömmlichen Luftkühlung erreicht. Weil das schlagartige Einfrieren der Schmelze dem Kunststoff keine Zeit für die Ausbildung von Kristalliten lässt, bildet sich eine amorphe Struktur mit hervorragenden optischen Eigenschaften aus. Gleichzeitig bleibt der nur im Blasfolienverfahren erzielbare Effekt der biaxialen Verstreckung erhalten. Im Ergebnis führe dies zu Folien mit völlig neuen Eigenschaften, die vielfältige und neuartige Anwendungsmöglichkeiten erschließen sollen.

Auf der parallel zur Kunststoffmesse K 2010 am Stammsitz in Lengerich veranstalteten Hausmesse EXPO hatte Windmöller & Hölscher die AQUAREX zuletzt in Produktion vorgeführt (Siehe auch plasticker-News vom 14.12.2010). Hergestellt wurde eine 200 µm starke, 3-schichtige PP-Folie für Infusionsbeutel, die durch ihre extreme Transparenz und ihren Glanz heraussticht. Die Folie ist so durchsichtig und im wahrsten Sinne des Worts glasklar, dass man eher an Fensterglas als an eine konventionell hergestellte Folie erinnert wird, von der man eine gewisse Trübung erwartet hätte. Diese Transparenz, die aus der schockartigen Abkühlung der Schmelze durch das Wasserbad resultiert, sei gerade für die Herstellung von Infusionsbeuteln besonders wichtig, denn vor der Applikation einer Infusion muss sich der Arzt von dem einwandfreien Zustand des Inhaltes überzeugen können.

Neben den herausragenden optischen Eigenschaften soll der Wasserkühlungsprozess aber auch deutlich die mechanischen Eigenschaften der Folien verbessern, z.B. die Durchstoßfestigkeit und die Dart-Drop-Werte, heißt es weiter. Zudem ergibt die schnelle Abkühlung der Folie eine hoch amorphe Mikrostruktur der Folie, die zusätzlich einen positiven Einfluss auf die Qualität der Schweißnähte nehme.

Bislang werden Infusionsbeutel aus PVC hergestellt. Nach den Erwartungen vieler Produktentwickler soll die hoch transparente PP-Folie das nicht unumstrittene PVC ablösen. PVC ist von Natur aus ein harter, spröder Kunststoff, der sich erst nach Zusatz von Phthalaten für technische Anwendungen eignet, die ihn weich und formbar machen. Gerade diese Weichmacher im PVC stehen jedoch in der Kritik. Nach Einschätzung des Umweltbundesamts gehen von ihnen Gesundheitsgefahren aus, die dazu geführt haben, PVC-Erzeugnisse zwischenzeitlich von einer Reihe von Verwendungen auszuschließen. In manchen Ländern (z. B. China) bestehe bereits ein Verbot für PVC-Infusionsbeutel. In dieser Situation stellen PP-Folien, die auf einer W&H-AQUAREX hergestellt wurden, ein vollwertiges Substitut dar, argumentiert der Maschinenbauer weiter.

Infusionsbeutel seien demnach jedoch nur eines der spannenden Anwendungsgebiete für Folien mit außergewöhnlichen optischen und mechanischen Eigenschaften innerhalb der flexiblen Verpackung. Durch die AQUAREX seien hoch amorphe, wassergekühlte Folien nicht länger mehr ein Nischenprodukt für Spezialanwendungen. Sie würden darüber hinaus den Vorteil bieten, Waren deutlich besser zu präsentieren und damit besser zu verkaufen als in herkömmlichen Folien verpackte Produkte, heißt es abschließend.