10/05/2013

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Wittmann Battenfeld: Kompetenztage mit 1.000 Teilnehmern und Einweihung der neuen Montagehalle

Kraftvoll, zuversichtlich und mit hoher technologischer Kompetenz in allen Facetten der Spritzgießtechnik - so präsentierte sich der Maschinen­hersteller Wittmann Battenfeld Ende April bei seiner Hausmesse, den Kompetenztagen 2013, im nieder­öster­reichischen Kotingbrunn, dem Hauptsitz der Spritzgießmaschinen-Fertigung der Wittmann Gruppe.

Die über 1.000 Besucher aus aller Welt, davon allein rund 150 aus Deutschland, konnten an beiden Tagen eindrucksvoll erleben, wie und mit welchen Maschinen, Lösungen und Anwendungstechnologien Wittmann Battenfeld heute und morgen die Kunststoff-Verarbeiter in allen Bereichen bedienen möchte. Ganz im Sinne des Tagungsmottos "Power for the Future" gibt man sich in Österreich selbstbewusst und unterstreicht diese Zuversicht auch mit Investitionen in neue Entwicklungen und den Ausbau der Produktionskapazitäten gleich an mehreren Standorten in Europa und Asien.

Neue Großmaschinenhalle eingeweiht
So wurde im Rahmen der Veranstaltung auch die neue Fertigungshalle für Großmaschinen am Standort Kottingbrunn feierlich eingeweiht. Die 3.000 qm Produktionsfläche und 1.200 qm Bürofläche, die dort jetzt neu zur Verfügung stehen, sollen das künftige Wachstum im Großmaschinenbereich ermöglichen, welches Wittmann Battenfeld sich vorgenommen hat. Das die gesamte Gruppe in den letzten Jahren bereits stetig gewachsen ist und weiter wachsen will, lässt sich auch daran ablesen, dass 2013 gut doppelt so viele Besucher die Kompetenztage besuchten, wie bei der letzten Veranstaltung vor drei Jahren.

Maschinen, Technologien, Informationen neben festlicher Unterhaltung
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Informationen über den aktuellen Stand der Maschinentechnik im Hause Wittmann Battenfeld und darüber hinaus. Somit gehörte der Vormittag dem Tagungsprogramm mit acht Vorträgen zu speziellen Fachthemen rund um aktuelle Entwicklungen der Spritzgießtechnik und Verfahrenstechnologien.

Prof. Dr. Ansgar Jaeger von der FH Würzburg-Schweinfurt referierte zum Thema Technologien beim Spritzgießen im Spiegel der Megatrends. Im "Sprint" erläuterte Professor Jäger welche Auswirkungen die gesellschaftlichen Trends für die künftige Bedeutung bestimmter Technologiebereiche - z.B. Mobilität/Leichtbau, Gesund­heits­wesen/Mikro-Spritzguss, Einkaufsverhalten/Design (IML, Dünnwandtechnik etc.) haben können. Als weiterer Gast­vortrag­ender referierte Helmut Kohake, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Müller Technik aus dem niedersächsischen Steinfeld, über Verfahrens­kombinationen als erfolgreichen Weg zur Herstellung hochwertiger technischer Teile.

Darüber hinaus gab es Vorträge zu den Vorteilen der Power Serie, zur integrierten Fertigungszelle, zu Schüttguttechnik, Mikrotechnologie und der Kombination von variothermer Technologie und Strukturschaumtechnik. Zu letzterem Thema zeigte Wolfgang Roth, Leiter der Anwendungstechnik bei Wittmann Battenfeld, in seinem Vortrag unter dem Titel "Leicht und schön - das moderne Kunststoffteil" sehr anschaulich auf, wie Spritzgussteile durch Schäumen besser und mit weniger Energieeinsatz hergestellt werden können, mit geringerem Gewicht bei z.T. verbesserten mechanischen Eigenschaften, und zugleich durch spezielle Temperiertechniken wie BFMold trotzdem gute Oberflächen erhalten können.

Robotman führt in neue Großmaschinenhalle
Nach dem Mittag führte ein großer "Robotman" und eine Artistentruppe die Besucher in die neue Großmaschinen-Montagehalle, die anschließend festlich mit Trommelwirbel und Trapezkünstlern eröffnet wurde. Die neuen Fertigungs­möglich­keiten gelten als ein ganz wesentlicher Schritt für die Zukunft des Unternehmens als kompetenter Partner für Spritzgießmaschinen, von der Mikromaschine bis hin zur Großmaschine, der MacroPower, die künftig in der neuen Halle gefertigt wird, wie Georg Tinschert, Geschäftsführer von Wittmann Battenfeld erläuterte. Aufgrund des vorherigen Platzmangels am Standort Kottingbrunn für den geplanten Ausbau der MacroPower Serie nach oben, habe man 2011 die Entscheidung für den Neubau auf dem eigenen Betriebsgelände rasch getroffen und Dr. Wittmann habe "innnerhalb von nur 30 Minuten zugestimmt", wie Tinschert launig ergänzte.


Anschließend galt die Aufmerksamkeit der Besucher der Maschinen-Vorführung - direkt in der 3.000 qm großen Halle - bei der sich die Besucher en detail von Kompetenz und "Power" des Unternehmens überzeugen sollten.

Maschinen-Schau mit 17 Live-Anwendungen und 30 Exponaten
Die Veranstalter nutzten die umfangreiche Fläche um viele Maschinen vorzuführen. In 17 Produktionszellen waren interessante und z.T. technisch anspruchsvolle Anwendungen zu sehen. Auch die vielen Exponate aus dem Bereich der Automatisierung und der Peripherie, die sowohl an den Spritzgießmaschinen selbst als auch als Stand-Alone-Lösungen gezeigt wurden, fanden reges Interesse.

Ein besonderes Highlight der Maschinenvorführung war die Vorstellung der ersten MacroPower E Hybrid-Großmaschine, bestehend aus der modernen servohydraulischen 2-Platten-Schließeinheit kombiniert mit einem vollelektrischen Hochleistungsspritzaggregat. Diese Kombination ermöglicht die Herstellung einer kompakten Großmaschine auf kleinstmöglicher Stellfläche, die gleichzeitig eine sehr hohe Präzision und Energieeffizienz bei hohen Einspritzgeschwindigkeiten aufweist (s. plasticker vom 17.04.2013). Auf der MacroPower E Hybrid 450/2250 wurde die Herstellung einer B-Säule für die Automobilindustrie gezeigt.


Weiteres Highlight war eine MicroPower 15 mit LSR Ausrüstung, auf der die Herstellung winziger Implantate mit ganzen 0,75 mg Artikelgewicht gezeigt wurde. Bei dieser medizintechnischen Anwendung kamen ein Hi-Q Micro LSR Spritzaggregat und das entsprechende Dosiersystem zum Einsatz. Hi-Q Shaping ist ein neu entwickeltes Spritzprägeverfahren mit dynamischer und hochpräziser Regelung des Prägeprozesses; mit dem Spannungen im Bauteil reduziert und exakte Oberflächen bei Mikroteilen ermöglicht werden können.

Als weitere Neuheit wurde das IMIW (In-Mould Internal Welding) Verfahren vorgestellt und auf einer EcoPower 110 und mit einem Werkzeug der Firma Barkley, UK, demonstriert. Dieses neu entwickelte Verfahren soll ermöglichen, Einlegteile gas- und wasserdicht zu umspritzen (s. plasticker vom 05.04.2013).

Im Bereich der IML Anwendungen war u.a. die Produktion eines Deckels als Verpackungsbeispiel auf einer EcoPower Xpress 180 mit IML High-Speed-Entnahme der Teile zu besichtigen. Auch auf einer EcoPower 180 wurde IML-Technologie demonstriert, hier mit einer neuartigen Herstellung von Kreditkarten aus biologisch abbaubarem Trägermaterial, entwickelt von dem Forschungsinstitut IFA-Tulln, Österreich.


Die Strukturschaumtechnologie Cellmould wurde auf einer MacroPower 800 anhand der Herstellung von Paletten auf einem Großwerkzeug der Firma Haidlmair gezeigt (s. plasticker vom 29.04.2013).

Reges Interesse fand bei den Besuchern die Produktion eines Hockeyschlägers - ebenfalls auf einem Werkzeug der Firma Haidlmair - auf einer hydraulischen Maschine der HM-Baureihe, einer HM 300 mit ServoPower-Technologie, unter Einsatz des hauseigenen Gasinjektionsverfahrens Airmould.

Auch die Variotherm-Technologie BFMold von Wittmann Battenfeld, vorgestellt auf einer HM 110 mit Insiderlösung, und die Mehrkomponententechnologie kamen nicht zu kurz. Auf einer HM 65 wurden Playmobil-Spielfiguren aus drei unterschiedlichen Komponenten gespritzt. Die schnelllaufende TM Xpress sowie eine Rund­tisch­machine der Type VM 110 mit Automatisierungszelle zum Einlegen und Entnehmen der Teile rundeten das Maschinenprogramm ab.

Nach den umfangreichen Fachinformationen am Morgen und der breiten Technik­schau am Nachmittag, zeigte Wittmann Battenfeld auch bei der Abendveranstaltung viel Power zur Unterhaltung seiner zum Teil weit gereisten Gäste. Eine Artisten­truppe sorgte für spannende Unterhaltung zwischen den Gängen und feine k.u.k. Küche für das leibliche Wohl; so macht auch Networking am Abend noch Spaß.

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