16.08.2013

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ZF Friedrichshafen: Composites Tech Center für Leichtbauprodukte eröffnet

ZF hat am 29. Juli 2013 an seinem Standort in Schweinfurt das ZF Composites Tech Center eröffnet, teilt das Unternehmen mit. Auf einer Fläche von mehr als 400 Quadratmetern wird ZF dort künftig Produktionsprozesse für die Serienherstellung von Produkten aus Faser-Kunststoff-Verbund-Materialen (FKV) entwickeln. Dieses Know-how, das allen Divisionen des Konzerns zur Verfügung stehen soll, gilt als eine Voraussetzung für die Serienreife vieler Leichtbau-Konzepte, die ZF in den vergangenen Jahren für Pkw und Nutzfahrzeuge vorgestellt hat.

Kernstück des ZF Composites Tech Centers, das unter der Verantwortung der Zentralen Forschung und Entwicklung in Friedrichshafen arbeitet, ist eine Presse. Mit ihr lassen sich Komponenten aus duroplastischen Werkstoffen nach dem RTM-Verfahren (Resin Transfer Moulding) herstellen. ZF kann in Schweinfurt künftig auch komplexe, prototypentaugliche Teile aus FKV in geringen Stückzahlen produzieren. Für den Aufbau des ZF Composites Tech Centers seit Anfang 2012 hat ZF nach eigenen Angaben insgesamt 3,1 Millionen Euro in Maschinen und Anlagen sowie in Gebäude investiert.

"Wir haben in den vergangenen Jahren viel Grundlagenwissen und Erfahrung zum Thema Leichtbau aufgebaut und dabei auch verstärkt Faser-Kunststoff-Verbund-Werkstoffe eingesetzt", sagt Michael Hankel, im ZF-Vorstand verantwortlich für die Divisionen Pkw-Antriebstechnik, Pkw-Fahrwerktechnik sowie für das Ressort Produktion. "Mit dem ZF Composites Tech Center wollen wir nun gezielt die Prozesstechnologien für eine Serienfertigung dieser Werkstoffe in den Fokus rücken und Know-how konzernweit zur Verfügung stellen."

Im ZF Composites Tech Center, das zunächst vier Ingenieure unter der Leitung von Dr. Ignacio Lobo Casanova betreiben, sind neben einer Presse mit Hochdruckinjektionseinheit für verschiedene Harz-Härter-Systeme auch Anlagen zur Weiterverarbeitung installiert, darunter ein Roboter sowie ein Infrarot- und Temperofen.

Umfassendes Aufgabenspektrum
Die künftigen Aufgaben des ZF Composites Tech Centers bestehen zum einen in der Grundlagenforschung, insbesondere im Hinblick auf verschiedene RTM-Verfahren und die dabei eingesetzten Werkzeuge. "Ein Teil unserer Grundlagenarbeit hat das Ziel, Probekörper aus verschiedenen Materialsystemen zur Verfügung zu stellen, um entsprechende Materialkennwerte zu ermitteln. Diese wiederum werden als Materialmodelle in eine Simulationsprozesskette abgelegt, um künftig durch Simulationen die Produkt- und Prozessentwicklung schneller und schlanker zu machen", sagt Dr. Ignacio Lobo Casanova. Zum zweiten spielt Fügetechnik, insbesondere Klebeverfahren, eine wichtige Rolle ebenso wie die Automatisierung der Prozessschritte mittels Greifertechnologien. Drittens wird das ZF Composites Tech Center auch in die Weiterentwicklung konkreter ZF-Leichtbaukonzepte eingebunden sein. Hier werden der Federbein-Radträger sowie die radführende Querblattfeder genannt, deren Leichtbaupotenzial für Pkw-Fahrwerke als sehr attraktiv gilt: Im Vergleich zur Stahlbauweise wiegt der Radträger den Angaben zufolge nur die Hälfte, die Querblattfeder spare bis zu 15 Prozent Gewicht gegenüber einer entsprechenden Stahlkonstruktion. Auch ein Vierpunktlenker für Lkw-Fahrwerke, mit einem Einsparpotenzial von 25 Prozent gegenüber der aktuellen Gussvariante, steht für die ZF-Ingenieure am Schweinfurter ZF Composites Tech Center auf der Agenda.

Konzernweiter Wissenstransfer
Von den Ergebnissen des neuen ZF Composites Tech Center sollen konzernweit etwa 30 Entwicklungsingenieure profitieren, die im Augenblick in Projekten arbeiten, für die FKV-Materialkompetenz als entscheidend gilt. "Eine wichtige zusätzliche Aufgabe des ZF Composites Tech Centers ist der konzernweite Wissenstransfer und die Beratung und Qualifikation für alle ZF-Divisionen und andere Entwicklungsstandorte", sagt Dr. Michael Heselhaus, Projektleiter für den Aufbau des ZF Composites Tech Centers. Diese Übertragung von Know-how sei indes nicht auf Leichtbau- und FKV-Spezialisten beschränkt. So sollen Werkzeugmacher eng in die Aktivitäten des ZF Composites Tech Centers eingebunden werden, damit die vorhandene Werkzeugkompetenz für Massiv- und Blechmaterialien sowie dem Kunststoffspritzguss in Richtung FKV erweitert werde. Nicht zuletzt aus diesem Grund sei das ZF Composites Tech Center in Schweinfurt organisatorisch als Außenstelle an die Zentrale Forschung und Entwicklung in Friedrichshafen und das Konzern-Vorstandsressort Produktion angebunden.

Das ZF Composites Tech Center hat seinen Betrieb unmittelbar nach der Eröffnung aufgenommen. Auf dem Gelände, dem Werk Nord in Schweinfurt, stehen weitere Flächen für eine geplante Erweiterung zur Verfügung.

Weitere Informationen: www.zf.com

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