18.02.2010

Zerspannungstechnik: Netzwerk für bessere Chancen im globalen Wettbewerb gegründet

Das Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW) der Leibniz Universität Hannover koordiniert die Forschungsaktivitäten für das neu gegründete Machining Innovations Network.

Ein neues Netzwerk arbeitet daran, im globalen Wettbewerb beim Zerspanen ganz vorne zu stehen: Das "Netzwerk für innovative Zerspanungstechnologie e.V.", so die deutsche Bezeichnung, ist nach eigenen Angaben nicht nur das industrielle Netzwerk mit den meisten der 28 Gründungsmitgliedern, es weist auch ein rekordverdächtiges Tempo auf: Gerade mal ein Jahr alt ist die Idee aus der Chefetage der damals frischen Airbus-Ausgründung Premium Aerotec, ein Zentrum für innovative Zerspanungstechnologien aufzubauen. Etwa 600.000 Stunden wird pro Jahr bei Premium Aerotec zerspant, noch einmal 400.000 Stunden sind es bei den Zulieferern. Um die Airbus-Vorgabe, die Kosten um 20 Prozent zu senken, zu erreichen, gab es für das Unternehmen mit insgesamt 6000 Mitarbeitern zwei Möglichkeiten: in Niedriglohnländer zu flüchten oder in die Offensive zu gehen, in die Zerspanungstechnologieoffensive sozusagen. Dieter Meiners, Leitender Geschäftsführer bei Premium Aerotec, wählte die zweite Variante und mit dem Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW) und dessen Leiter, Prof. Berend Denkena, einen Forschungspartner mit ausgewiesener Expertise auf diesem Gebiet.

Im März 2009 trafen sich alle Projektleiter von Premium Aerotec am Produktionstechnischen Zentrum der Leibniz Universität Hannover (PZH), um gemeinsam Felder mit großem Forschungsbedarf zu umreißen. "Wir haben in einzelnen Gruppen an einem Tag parallel Interviews geführt", erinnert sich Carsten Schmidt, der IFW-Ingenieur, der als "F&E Koordinator Luftfahrt" dieses Vorhaben vorantreibt. "Wir haben markante Themenbereiche abgesteckt und den Workshop mit der Vorstellung der Forschungsthemen beendet. Das war die Initialzündung." Sechs Leitthemen wurden auf diese Weise identifiziert, fünf davon werden vom IFW koordiniert. Schmidt erstellte daraus ein Portfolio mit Forschungsanträgen, von denen die ersten mittlerweile bereits bewilligt und zwei bereits - noch in den Versuchsfeldern des IFW am Produktionstechnischen Zentrum Hannover - angelaufen sind. Letztlich geht es den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in ihren Projekten darum, Werkzeugmaschinen und Zerspanprozesse noch effizienter zu machen und für entsprechende Materialien - vor allem Titan, das im Flugzeugbau stark zunimmt - zu optimieren.
"Premium Aerotec hat als Flugzeugzulieferer einen extrem hohen Qualitätsstandard", erläutert Professor Denkena, mittlerweile Vorstandsmitglied im Machining Innovations Network, die Forschungspartnerschaft, "es kommt jetzt darauf an, diesen hohen Standard beizubehalten und zusätzlich wirtschaftlich zu sein. Und das können wir, unter anderem, eben auch: schnell, sehr schnell fertigen."

Neben den Forschungsaktivitäten liefen auch in den anderen Bereichen die Vorbereitungen auf Hochtouren: Der Aufbau des Netzwerks ging voran, Konzepte und Gebäudeplanung für das Ausbildungszentrum - hier sollen schon ab August dieses Jahres 40 junge Leute pro Jahrgang ausgebildet werden, beruflich und auch akademisch bis hin zur Promotion - und das Technologiezentrum nahmen Gestalt an. Im Technologiezentrum wird ein Großteil der Forschungsthemen verankert, hier sollen auch industrielle Partner im Rahmen einzelner Forschungsprojekte mitwirken und der Entwicklung Impulse geben, auf der anderen Seite aber auch von der Forschung auf absolutem Spitzenniveau profitieren.

Beide Zentren werden unter anderem mit Mitteln des Konjunkturpakets II direkt am Premium-Aerotec-Standort Varel gebaut - allein hier werden pro Jahr drei Millionen Flugzeugbauteile zerspant. Das Machining Innovations Network, das sich in der vergangenen Woche ebenfalls in Varel gründete, ist der Garant, dass nicht nur das schiere Zerspanvolumen, nicht nur die Forschung und die Ausbildung erstklassig sind, sondern dass auch die Zulieferindustrie und die kleinen und großen Hersteller von Werkzeugmaschinen etwa nach Kräften daran mitwirken, Kompetenzen zu bündeln, um im globalen Wettbewerb beim Zerspanen ganz vorn zu stehen.

Quelle: Leibniz Universität Hannover

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