23.06.2010

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bvse: Kunststoffrecycling hat sich erholt - Forderung: Verbrennungskapazitäten zurückfahren

Zum 13. Internationalen Altkunststoff-Tag der Kunststoffrecycler trafen sich in diesem Jahr vom 8.-9. Juni mehr als 340 Teilnehmer aus aller Welt in Bad Neuenahr. Damit konnte der bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. einen neuen Teilnehmerrekord verzeichnen.

Dabei hat die Branche eine schwierige Zeit zu überstehen. Das vergangene Jahr war ungeheuer kritisch für das Kunststoffrecycling. Eine Reihe von Unternehmen kam in ernsthafte wirtschaftliche Bedrängnis. Der Vorsitzende des bvse-Fachverbandes Kunststoffrecycling, Dr. Michael Scriba, stellte jedoch fest: "Wir haben es geschafft! Das noch neue Geschäftsmodell des Kunststoffrecyclers hat seine bisher schwierigste Bewährungsprobe bestanden. Das macht ein wenig Stolz, aber vor allem macht es Mut für die Zukunft!"

Und tatsächlich, seit dem zweiten Quartal, bei PET auch schon früher, habe sich eine deutliche Verbesserung der Absatzsituation eingestellt, deren Nachhaltigkeit sich zwar erst noch erweisen muss. Die Nachfrageschübe aus dem Primärkunststoffmarkt treiben momentan die Zweitmärkte konsequent voran. Markterhebungen im Juni hätten aber ergeben, dass keine Anzeichen für höhere Kunststofferfassungsmengen festzustellen seien. Damit sind "getrennt erfasste" Mengen gemeint, die nicht den "indifferenten Weg" in eine Müllverbrennungsanlage (MVA) gehen.

Seit Januar bestehe zudem eine erhöhte Nachfrage nach Ballenware und Mahlgütern. Auch die Recyclate könnten besser und zu höheren Preisen im Markt abgesetzt werden. Die seit Januar anhaltenden Preiserhöhungen sind teilweise recht spezifisch und erfolgen in kleineren Schritten. Auf diese Weise resultieren in der Summe jedoch für alle Sekundärkunststoffe stetige Preiserhöhungen.

Das habe auch etwas damit zu tun, dass die chinesischen Märkte boomen. In der Folge ist der Kunststoffbedarf in Fernost groß. Somit kann auch wieder eine hohe Exportnachfrage festgestellt werden. Bei der Nachfrage aus Fernost zeichnet sich der Schwerpunkt Deutschland ab. Der nachgebende Dollarwechselkurs belebe die Exportnachfrage zusätzlich. Inzwischen würden für Sekundärkunststoffe wieder Preise erreicht, die denjenigen vor der Wirtschaftskrise nahe kommen würden.

Inwieweit diese deutlich positivere Lage stabil bis zum Jahresende durch getragen werden kann, lasse sich zuverlässig noch nicht sagen. Dr. Michael Scriba: "Die Rohtoffmärkte sind sehr volatil und neigen gerne auch zu Rückschlägen, aber wir glauben, dass eine gute Basis erreicht ist und wir der zweiten Jahreshälfte mit berechtigtem Optimismus entgegensehen können!"

Allerdings, es gebe auch Grund zur Sorge. Die Kunststoffrecycler beklagen Akzeptanzprobleme für die werkstoffliche Kunststoffverwertung. Von interessierter Seite wird immer wieder das Kunststoffrecycling in Frage gestellt. Der hohe Energiegehalt der Kunststoffe löst auf Seiten der Müllverbrennungsanlagen einfach Begehrlichkeiten aus, zumal die Kapazitäten der Müllverbrennungsanlagen nicht ausgelastet sind. Scriba: "Dem müssen wir entgegentreten. Nicht, dass wir grundsätzlich gegen die hochwertige thermische Verwertung wären, aber zuerst kommt das werkstoffliche Recycling und erst wenn hier die Möglichkeiten ausgeschöpft sind, kommt die Verbrennung in Frage."

Die Müllverbrennungsanlagen wollen ihre Anlagen auslasten und senken ihre Preise für die Verbrennung drastisch. Das hat zur Folge, dass hochwertige Kunststoffe nicht mehr aus Abfallgemischen heraus sortiert werden und der Kunststoffrecycling-Industrie fehlen.

Dabei muss allen Verantwortlichen klar sein, dass die Abfallmenge mittel- und lang-fristig weiter sinken wird. Daher sollten, nach Meinung des bvse-Fachverbandes Kunststoffrecycling, Verbrennungskapazitäten vom Markt genommen werden. "Wir können es uns auf jeden Fall nicht leisten, dass wertvolle Sekundärrohstoffe im Müllofen verschwinden. Das ist kurzfristiges Denken und führt in eine Sackgasse. Angesichts der weltweiten Rohstoffknappheit müssen wir so sorgfältig und nachhaltig mit unseren Rohstoffen umgehen wie es geht, sonst gefährden wir die Produktionsmöglichkeiten der Industrie und damit unseren Wohlstand", warnte Dr. Michael Scriba.

Weitere Informationen: www.bvse.de