27.06.2012

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bvse: Lücke beim Kunststoffrecycling in Europa schließen - End-of-Waste als Chance begreifen

Heute werden in Europa noch zu wenige Kunststoffabfälle recycelt. Während des 15. Internationalen Altkunststofftags des bvse zeigte Christoph Lindner von der Beratungsgesellschaft Consultic, dass in der EU pro Jahr rund 25 Mio. Tonnen Kunststoffabfälle anfallen. In der werkstofflichen Verwertung kommen jedoch nur 6 Mio. Tonnen an, während mehr als 10 Mio. Tonnen deponiert und gut 8 Mio. Tonnen energetisch verwertet werden. Dabei zeige sich: Deponierungsverbote wirken. In den Ländern, die ein solches Verbot umgesetzt hätten, soll es die höchsten Recyclingquoten geben.

Europäische Lösung für mehr Recycling gefordert
Die "Recyclinglücke" in Europa muss geschlossen werden, neben dem Deponierungsverbot sei es beispielsweise nötig, schon bei der Herstellung von Produkten auf die Recyclingfähigkeit zu achten, höhere Recyclingquoten festzulegen und die Mitgliedsstaaten bei der Einhaltung von Vorgaben stärker zu kontrollieren, betonte Prof. Dr. Helmut Maurer von der Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission. Dr. Dirk Textor, Vorsitzender des bvse-Fachverbands Kunststoffrecycling forderte eine europäische Lösung für das Recycling. "Kunststoffe sind zum Verbrennen und Wegwerfen zu schade. Allgemeine Recyclingquoten und funktionierende Recyclingsysteme motivieren zu Investitionen und sensibilisieren Verbraucher für die Wertstofftrennung."

End-of-Waste: Qualität entscheidend für die Akzeptanz
Für Kai Wagner vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ist das Recycling direkt mit der Rohstoffversorgung verknüpft. Das vorgezogene Abfallende von Kunststoffen kann hierbei einen entscheidenden Anschub für mehr Ressourceneffizienz leisten. Dennoch wurde das Für und Wider des Abfallendes kontrovers diskutiert: Dr. Andreas Jaron vom Bundesumweltministerium und Alejandro Villanueva von der EU-Kommission sehen für das Recycling und den Einsatz von Kunststoffen als Sekundärrohstoff im Vergleich zu anderen Stoffströmen besondere Herausforderungen. Zum einen erschwere die Heterogenität der Materialien das Recycling und andererseits könnten in den Kunststoffen enthaltene Additive wie beispielsweise Flammschutzmittel eine Gefahr für Umwelt und Gesundheit darstellen. Es müsse überprüfbar sein, welche Stoffe hier in neue Produkte eingebracht werden, so Villanueva. Jaron zeigte sich skeptisch, ob End-of-Waste positive Auswirkungen auf das Kunststoffrecycling haben kann.

Textor entgegnete: "Wir können mit allen Arten von Materialien umgehen, aber zuerst einmal müssen wir Zugang dazu haben. Wir bereiten Sekundärrohstoffe auf, die exakt die gleichen Eigenschaften haben wie die Primärware. Sonst würden unsere Kunden diese Produkte nicht kaufen."

In der Praxis würden schon heute viele Kunststoffrecycler den Produktstatus für ihre hochwertigen Mahlgüter und Granulate erhalten. Sie setzten für diese Stoffe zertifizierte Qualitätsmanagementprozesse um und seien in der Lage, Additive konsequent auszuschleusen. Darüber hinaus seien sie an die Spezifikationen ihrer Kunden gebunden. Für die Produktion von PET-Flaschen sind das beispielsweise die strengen Standards der Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Auch andere Industriezweige, beispielsweise die Automobilindustrie, geben strenge mechanische und physikalische Eigenschaften für ihre Rohstoffe vor, die gleichermaßen für Primär- wie für Sekundärrohstoffe gelten.

"End-of-Waste ist eine Möglichkeit, keine Bedrohung. Es wird das Recycling fördern und mehr Möglichkeiten schaffen, Neuware durch Recyclate zu ersetzen", zeigte sich auch Ton Emans vom Europäischen Verband für das Kunststoffrecycling (EuPR) überzeugt.

Das vorzeitige Abfallende mit europaweiten Qualitätskriterien kann zu einer höheren Akzeptanz von Recyclaten beitragen, so auch die Überzeugung der Kunststoffrecycler im bvse.