01/03/2011

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pro-K: Kunststoffverarbeiter zunehmend in der Rohstoff-Zwickmühle

Die eklatanten Preissprünge bei nahezu sämtlichen Kunststoffen bedrohen den wirtschaftlichen Aufschwung bei Herstellern von Halbzeugen und Konsumprodukten aus Kunststoff in Deutschland. Trotz prall gefüllter Auftragsbücher liegen die Ergebnisse der Unternehmen zu Beginn dieses Jahres oftmals unter denen des Umsatz schwächeren Zeitraums anfangs 2010. Aufgrund der extremen Volatilität der Einstandspreise sei es der mittelständisch geprägten Industrie kaum möglich, ihren Kunden die Preise verständlich zu machen und an sie weiterzugeben. Ein Ende dieser Situation sei dabei nicht in Sicht. Erneute Preissteigerungen werden bereits signalisiert.

Diese alarmierenden Nachrichten erreichen den pro-K Industrieverband Halbzeuge und Konsumprodukte aus Kunststoffe e.V. nahezu täglich, wie Geschäftsführer Ralf Olsen berichtet. "Immer mehr Mitglieder aus nahezu allen Bereichen der Halbzeuge und Konsumprodukte melden sich bei uns und beschreiben ihre Situation. Die Maschinen produzieren auf Hochtouren, es konnten wieder neue Mitarbeiter eingestellt werden, doch die Schwindel erregend nach oben steigende Rohstoff-Preisspirale lässt die Margen immer weiter schrumpfen. Die Preise für Kunststoffe sind in den letzten zwölf Monaten für manche Unternehmen um bis zu 70 Prozent gestiegen. Von dieser Entwicklung sind dabei nicht nur Technische- und Hochleistungs-Kunststoffe betroffen. Auch die Kosten für Standard-Kunststoffe sind in einem Ausmaß nach oben geschossen, wie es von der Branche kaum zu tragen ist."

In Zahlen ausgedrückt malen die Ausführungen Olsens folgendes Bild: Der Kilopreis von Polystyrol hat sich im Zeitraum von Ende 2009 bis heute um nahezu 60 Prozent erhöht, ebenso der von Polypropylen. Die Steigerung bei Polyethylen scheint da mit 40 Prozent noch vergleichsweise niedrig. Auch bei PVC sieht die Situation kaum anders aus. Die Kosten für diesen Kunststoff, der hauptsächlich im Bausektor - zum Beispiel bei Türen- und Fensterelementen - zum Einsatz kommt, sind von knapp über 0,90 € pro Kilo im Januar 2010 um nahezu 20 Cent in die Höhe geschnellt.

Doch nicht allein die Preissteigerungen bei Kunststoffen bereiten der Branche Probleme. "Zusätzlich werden wir mit massiven Preiserhöhungen bei allen Zuschlagsstoffen und zahlreichen Zubehörprodukten sowie mit steigenden Energiekosten konfrontiert", beklagt Winfried Tänzer, Leiter des Bereichs Wirtschaft, Politik und Umwelt der profine GmbH und Vorstandsmitglied von pro-K.

Da sich die stetig verändernden Preise nur schwer an die Kunden weitergeben lassen, sieht der Verband die Produzenten von Halbzeugen und Konsumprodukten aus Kunststoff in einer Zwickmühle gefangen, die immer mehr an die Substanz geht, sollte sich die Marktsituation nicht entspannen. Es wird erwartet, dass der wirtschaftliche Aufschwung der Kunststoff verarbeitenden Industrie durch die Preisentwicklung erheblich ausgebremst werde, heißt es abschließend.