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Aus den Unternehmen
Keine Chance für Zufallsfehler
01.10.2009
Weniger Fehler, höhere Kundenzufriedenheit: Wie das geht, zeigt der folgende Bericht des Polyurethan-Spezialisten Thieme
Mit dem Werkstoff Polyurethan (PUR) lassen sich komplexe Verkleidungen und Gehäuse mit hoher Präzision und Qualität herstellen. Damit die im Fertigungsprozess erzielte Perfektion nicht im letzten Augenblick – beim Verpacken oder auf dem Weg zum Kunden – beeinträchtigt wird, hat man bei Thieme eine „Null-Fehler-Strategie“ entwickelt, die speziell auf die Prozessschritte Lackierung, Vormontage, Verpackung und Versand der montagefertigen Teile ausgerichtet ist. Dieses Konzept, das insbesondere Fehler durch Unachtsamkeit zu-verlässig unterbindet, hat sich beim komplexen PUR-Gehäuse eines Mammographie-Gerätes erstmals erfolgreich bewährt.
Zweimal rechts oder zweimal links anstelle eines rechten und ei-nes linken Teils – eine kleine Unachtsamkeit beim Verpacken von Gehäuseteilen kann beim Kunden für erhebliche Verstimmung sorgen. Bei dem komplexen, aus insgesamt 15 PUR-Teilen beste-henden Gehäuse eines Mammographiegerätes (Abb. 1) kamen solche Verwechslungen, fehlende Teile sowie Transportschäden immer wieder vor, sodass bei den rund 300 im Laufe des Jahres 2007 an den Kunden ausgelieferten Kits überdurchschnittlich viele Reklamationen zu verzeichnen waren.
Abb. 1: Das Gehäuse des Mammographiegeräts besteht aus 15 PUR-Formteilen. Die Konstruktion aus dem PUR-Werkstoff Baydur® 110 FR ermöglichte ein gestalterisch anspruchsvolles Design.
Da man bei Thieme großen Wert darauf legt, dass die gesamte PUR-Prozesskette von der Konstruktion bis zur Auslieferung rei-bungs- und fehlerlos abläuft, wurde Anfang 2008 unter der Leitung von Yves Munsch, Leiter der Qualitätssicherung beim südbadi-schen Formteile-Hersteller, eine Arbeitsgruppe gebildet, um die aufgetretenen Fehler zu analysieren und, in einem zweiten Schritt, zu eliminieren. Die Zielvereinbarung mit dem Kunden lautete: „Null Fehler in allen Prozessen“.
Um dieses Ziel in die Praxis umzusetzen, wurden zuerst die aufge-tretenen Fehler im Rahmen einer Pareto-Analyse klassifiziert und nach Häufigkeit sortiert. Zusätzlich zur Untersuchung der Rekla-mationsgründe wurde der gesamte Produktionsprozess einer Prü-fung unterzogen und optimiert. Dabei zeigte sich, dass die Fehler-quellen überwiegend im Bereich Verpackung und Versand zu lo-kalisieren waren. Daraufhin wurde ein Maßnahmenpaket wie folgt beschlossen und umgesetzt:
1.Aufbau eines eigenen Bereichs für die Projekte des betroffe-nen Kunden und Ausstattung dieses Bereichs mit „Stammper-sonal“, das für jeden Arbeitsschritt eigens geschult wird. Mit dieser Maßnahme konnte die Fehlerquelle „unerfahrenes, wechselndes Personal“ beseitigt werden.
2.Entwicklung neuer Transportverpackungen nach dem Prinzip „Poka Yoke“ (japanisch für „Vermeidung zufälliger Fehler“), die das Einsortieren sowohl der Gehäuseteile als auch der Monta-geelemente ausschließlich in der vorbestimmten Art und Wei-se erlauben. Bis dato wurden die Formteile einzeln in Noppen-folie verpackt in einem Versandkarton gestapelt, was die Ü-bersicht über die bereits verpackten Teile erschwerte und zu-dem trotz des Schutzes durch die Noppenfolie immer wieder Transportschäden an den zum Teil filigranen Teilen zur Folge hatte.
Die neu entwickelte Verpackung ist nach dem Schrankprinzip in Segmente unterteilt, in der jedes Teil seinen festen Platz hat; kein Teil passt in ein anderes Segment, sodass Rechts-Links-Verwechslungen ausgeschlossen sind (Abb. 2). Außer-dem ist der „Schrank“ so übersichtlich, dass fehlende Teile so-fort erkannt werden. Da die Teile in der neuen Verpackung keine Bewegungsfreiheit mehr haben, kann zudem auf die Noppenfolie verzichtet und der entsprechende Arbeitsschritt eingespart werden.
3.Optimierung zugelieferter Teile: Als EMV-Maßnahme werden auf den Innenseiten der PUR-Formteile Zuschnitte aus Akus-tik-Formmatten angebracht. In Zusammenarbeit mit dem Liefe-ranten konnten die Zuschnitte optimiert werden, sodass sie vor dem Verpacken der Teile nur noch an den vorgesehen Stellen eingeklebt, aber nicht mehr nachbearbeitet werden müssen. Zur Fehlervermeidung beim Einkleben wurde ein Video erstellt, in dem die Vorgehensweise genau dokumentiert ist. Diese Maßnahme brachte nicht nur den gewünschten Erfolg hinsicht-lich Fehlervermeidung, sondern darüber hinaus eine erhebli-che Zeitersparnis.
4.Zur Kontrolle ob alle integrierten Montageelemente montiert wurden, gab es bisher eine Checkliste, die abgehakt werden musste; dennoch schlichen sich immer wieder Fehler durch Unaufmerksamkeit ein. Diese Vorgehensweise wurde geän-dert: Jetzt müssen die entsprechenden Montageelemente di-rekt im betreffenden Formteil abgehakt werden. Diese intuitive Methode funktioniert so gut, dass die schriftliche Checkliste mittlerweile entbehrlich ist.
5.Einführung wöchentlicher Null-Fehler-Besprechungen zwi-schen der Qualitäts-Arbeitsgruppe und den Mitarbeitern direkt in der Montage. So konnten die neu eingeführten Maßnahmen besprochen und, wenn erforderlich, optimiert werden. Parallel dazu wurde der Austausch mit dem Kunden intensiviert, um ihn über den laufenden Optimierungsprozesses auf dem Lau-fenden zu halten: „Die aktive Kommunikation mit dem Kunden war uns sehr wichtig“, unterstreicht Yves Munsch. „Wir wollten ihm deutlich machen, dass wir nicht untätig sind, sondern uns der Herausforderung stellen.“
Das Ergebnis dieser Maßnahmen war in jeder Hinsicht erfreulich: Bereits in den ersten Monaten nach Einführung der Null-Fehler-Strategie, ab März 2008, konnten die Reklamationen signifikant gesenkt werden (Abb. 3). Auch im Rückblick, nach Ablauf eines Jahres, zeigt sich, dass die Fehlerquote weiterhin auf diesem sehr niedrigem Niveau verbleibt – in manchen Monaten wird das Ziel „Null Fehler“ sogar exakt erreicht.
Thieme-Qualitätschef Yves Munsch hat somit allen Grund, mit dem Ablauf des Projektes zufrieden zu sein: „Es kann immer et-was schief gehen – wichtig ist, dass man wirksame Maßnahmen dagegen ergreift. Dies ist uns mit unserer Null-Fehler-Strategie gelungen.“ Als wichtigstes Ergebnis sieht Munsch die hohe Kun-denzufriedenheit an, die hierdurch erreicht wurde – Thieme wurde vom Kunden sogar für den „Supplier Award Qualität 2009“ nomi-niert.
[Kastentext:]
Robustes Gerät mit ergonomischem Design und filigraner Gestaltung
Das aus 15 Formteilen bestehende PUR-Gehäuse des digitalen Mammographiegeräts (Gerät zur Brustkrebsvorsorge) war auf-grund seiner Komplexität besonders anfällig für die beschriebenen Fehler der Verwechslung oder Unvollständigkeit. Die zum Teil filig-rane Ausführung der Teile mit vorspringenden Montageelementen begünstigten Schäden beim Transport, welche nun durch die neue Transportverpackung vermieden werden (Abb. 4).
Einmal montiert, bietet das aus dem PUR-Werkstoff Baydur® 110 FR gefertigte Gehäuse des Mammographiegeräts eine hohe Ei-genstabilität, Schlag- und Abriebfestigkeit und ist somit perfekt für den rauen Einsatz im Krankenhaus geeignet, wo mechanische Stöße ebenso zu verkraften sind wie aggressive Chemikalien, wie sie zur täglichen Reinigung und Desinfektion eingesetzt werden
[Kastentext 2 (optional):]
Polyurethan – idealer Werkstoff für die Medizintechnik
Ansprechendes Design, Ergonomie und Benutzerfreundlichkeit spielen in der Medizintechnik eine zunehmend wichtige Rolle für den Markterfolg eines neuen Produktes. Der Werkstoff Polyu-rethan (PUR) bietet dem Konstrukteur nicht nur weitgehende De-sign- und Konstruktionsfreiheit, sondern zeichnet sich zugleich durch günstige Materialeigenschaften aus, die gerade in medizini-schen Anwendungen von Bedeutung sind: Stabilität, geringes Gewicht, gute Schallabsorption, Beschichtbarkeit mit Leitlack und Chemikalienbeständigkeit. Auch hinsichtlich der Kosten stellt PUR dank der günstigen Aluminiumwerkzeuge eine interessante Alter-native, insbesondere zu anderen Kunststofftechnologien, dar. Die PUR-typische Integralbauweise, bei der Funktionsteile wie Buch-sen und Befestigungsgewinde während des Formprozesses vor-geformt oder eingeschäumt werden können, wirkt sich ebenfalls kostensenkend und zeitsparend aus: Der Aufwand für die End-montage wird hierdurch deutlich reduziert.









