Borouge International, Woosh und BlueAlp haben in Belgien ein Verfahren demonstriert, mit dem Kunststoffe aus gebrauchten Babywindeln zurückgewonnen und als Rohstoff für neue Polymere genutzt werden können. Nach Angaben der Unternehmen handelt es sich um die erste Demonstration dieses Kreislaufs im industriellen Maßstab in Europa.
Einweg-Babywindeln gelten als schwer verwertbarer Abfallstrom. Sie enthalten zwar Vliesstoffe und Folien auf Polyolefinbasis, werden nach Gebrauch jedoch überwiegend verbrannt oder deponiert. Cabrera und Garcia bezifferten das Aufkommen gebrauchter Einweg-Babywindeln in der EU-28 für das Jahr 2017 auf rund 6,73 Millionen Tonnen. Vor diesem Hintergrund soll das gemeinsame Projekt zeigen, wie Kunststoffe aus diesem Abfallstrom wieder in die Kunststoff-Wertschöpfungskette zurückgeführt werden können.
Grundlage des Vorhabens ist das geschlossene Windelkreislauf-Modell von Woosh. Das belgische Unternehmen liefert recyclingoptimierte "Woosh Give-Back"-Windeln an Kindertagesstätten und Haushalte und sammelt sie nach Gebrauch separat wieder ein. Dadurch entsteht ein rückverfolgbarer Strom gebrauchter Windeln, der gezielt für Recyclingprozesse aufbereitet werden kann.
Für die weitere Verwertung definierten Borouge International und BlueAlp gemeinsam mit Woosh die Anforderungen an die zurückgewonnene Kunststofffraktion. Woosh passte daraufhin sein mechanisches Trennverfahren so an, dass die Kunststoffanteile die notwendigen Spezifikationen für die chemische Recyclingtechnologie von BlueAlp erfüllen. Die ersten industriellen Recyclingläufe fanden in der BlueAlp-Anlage im belgischen Oostende statt.
Dort wurden die aus den Windeln gewonnenen Kunststofffraktionen mittels Pyrolyse zu einem flüssigen Kohlenwasserstoff verarbeitet. Das entstehende Pyrolyseöl ist ISCC Plus-zertifiziert und erfüllt nach Unternehmensangaben die Qualitätsanforderungen für die Weiterverarbeitung zu neuen Polymeren. Diese könnten auch wieder in Anwendungen wie Babywindeln eingesetzt werden.
Vertreter der beteiligten Unternehmen betonen insbesondere die technischen Anforderungen des Prozesses. Der Kunststoff aus gebrauchten Windeln müsse vor dem chemischen Recycling sorgfältig vorbehandelt werden, um für den Pyrolyseprozess geeignet zu sein. Die Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette sei daher ein zentraler Faktor für die erfolgreiche Umsetzung.
Woosh betreibt sein Rücknahmesystem bereits in Belgien. Nach Unternehmensangaben nutzen täglich mehr als 30.000 Kinder das Windelrückgabesystem. Eine 2025 in Betrieb genommene Recyclinganlage verarbeitet jährlich mehrere Tausend Tonnen gebrauchter Windeln. Künftig soll das Modell auf Frankreich und die Niederlande ausgeweitet werden, wodurch zusätzliche Mengen zurückgewonnener Kunststoffe für das Recycling verfügbar würden.
Das Projekt liefert damit einen industriellen Anwendungsnachweis für die Verwertung eines komplexen Hygieneabfallstroms. Es zeigt, dass auch Kunststofffraktionen aus gebrauchten Babywindeln unter geeigneten Sammel-, Sortier- und Aufbereitungsbedingungen chemisch recycelt und wieder als Rohstoff für anspruchsvolle Polymeranwendungen eingesetzt werden können.
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