LANXESS: 30 Mill.-Euro-Invest für drei neue Projekte in Brasilien
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07.10.2011
www.plasticker.de
LANXESS: 30 Mill.-Euro-Invest für drei neue Projekte in Brasilien
Der Spezialchemie-Konzern LANXESS verstärkt mit drei Investitionen von insgesamt rund 30 Millionen Euro sein Engagement in Brasilien. Dabei sollen mehr als 100 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. LANXESS will damit auf den zunehmenden Trend zur nachhaltigen Mobilität in dem lateinamerikanischen Land setzen. Die Projekte sollen dazu dienen, die lokale Automobilindustrie mit innovativen Produkten zu versorgen, teilt das Unternehmen mit.
"Mit unseren Investitionen stellen wir sicher, dass wir am Wirtschaftswachstum des brasilianischen Marktes heute und in der Zukunft teilnehmen werden", sagte LANXESS-Vorstandsvorsitzender Axel C. Heitmann im Vorfeld des ersten "Automotive Day" von LANXESS am 6. Oktober in Sao Paulo. "Brasilien kommt eine Schlüsselrolle in unserer BRICS-Strategie zu. Unser Geschäft vor Ort wird maßgeblich zu unserem Ziel beitragen, im Jahr 2015 ein EBITDA vor Sondereinflüssen von 1,4 Milliarden Euro zu erzielen."
Boomende brasilianische Autoindustrie Die drei Wachstumsprojekte umfassen unter anderem den Bau von zwei neuen Werken am LANXESS-Standort Porto Feliz (Bundesstaat Sao Paulo). Eines der neuen Werke wird die Hightech-Kunststoffe Durethan und Pocan produzieren, die vornehmlich in der Autoindustrie zum Einsatz kommen. Diese Hightech-Produkte verringern das Gewicht der Fahrzeuge und tragen so zu einem geringeren Kraftstoffverbrauch bei, heißt es weiter. Das neue Werk des Geschäftsbereichs Semi-Crystalline Products soll Mitte 2013 mit einer Kapazität von 20.000 Jahrestonnen an den Start gehen.
Das zweite neue Werk in Porto Feliz wird Rhenoshape-Heizbälge (Bladder) und Kautschukadditive der Marke Rhenogran herstellen. Heizbälge werden von der Reifenindustrie genutzt, um Reifen ihre endgültige Form und Eigenschaften zu geben. Rhenogran ist eine Produktlinie vordispergierter Kautschukadditive, die nach Anbieterangaben die Qualität und Lebensdauer eines Kautschukprodukts deutlich verbessern können. Das Werk wird zur Mannheimer LANXESS-Tochter Rhein Chemie gehören. Bei den Heizbälgen soll die Kapazität 170.000 Stück pro Jahr betragen, bei den Kautschukadditiven 2.000 Jahrestonnen.
"Wir werden Porto Feliz zu einem Zentrum mit den neuesten Technologien für unsere Kunden in Brasilien und Lateinamerika entwickeln", sagte Heitmann. Bislang betreibt LANXESS ein hochmodernes Werk für inorganische Pigmente in Porto Feliz.
Weltpremiere: Erster EPDM-Kautschuk auf biologischer Basis Mit der Nutzung nachwachsender Rohstoffe zur Produktion synthetischen Kautschuks stellt das dritte Investitionsprojekt aus Sicht des Unternehmens einen Meilenstein in Sachen Nachhaltigkeit dar. LANXESS baut deshalb Teile des Werks in Triunfo (Bundesstaat Rio Grande do Sul) um, so dass dort EPDM-Kautschuk aus bio-basiertem Ethylen hergestellt werden kann. Das unweit gelegene brasilianische Unternehmen Braskem S.A. wird das aus Zuckerrohr gewonnene Ethylen ab November 2011 über eine Pipeline zur Anlage liefern. Damit soll zum weltweit ersten Mal bio-basierter EPDM-Kautschuk produziert werden, den LANXESS unter dem Namen Keltan Eco vermarkten wird. Ein Viertel der 40.000 Tonnen Jahreskapazität des Werks Triunfo soll auf Keltan Eco entfallen (Siehe auch plasticker-News vom 22.9.2011).
Kapazitätserweiterung bei Kautschuken für "Grüne Reifen" LANXESS sieht sich als Weltmarktführer für synthetische Hochleistungs-Kautschuke, die für die Produktion von "Grünen Reifen" benötigt werden. Mit einem Wachstum von jährlich rund zehn Prozent sei dieses der am schnellsten wachsende Bereich der globalen Reifenindustrie.
Die steigende Nachfrage nach "Grünen Reifen" werde dabei sowohl vom Megatrend Mobilität als auch vom Bedürfnis der Autofahrer nach höheren Umwelt- und Sicherheitsstandards getrieben. Ein weiterer Grund für den zunehmenden Bedarf sei die im kommenden Jahr in Kraft tretende gesetzliche Kennzeichnungspflicht für Reifen in der Europäischen Union. Diese fördere den Einsatz von "Grünen Reifen", mit denen CO2- und Lärm-Emissionen reduziert werden können - ohne dabei Abstriche bei der Sicherheit zu machen. Eine vergleichbare Regelung sei auch in Süd-Korea verabschiedet worden.
Um die wachsende Nachfrage zu bedienen, baut LANXESS seine Kapazitäten für Hochleistungs-Kautschuke weltweit aus, die zur Herstellung von "Grünen Reifen" benötigt werden. So werden derzeit die Kapazitäten zur Produktion von Neodymium-Polybutadiene-Kautschuk (Nd-PBR) am Standort Cabo de Santo Agostinho (Bundesstaat Pernambuco) erweitert. Der Ausbau soll zum Jahresende abgeschlossen sein und die Jahreskapazität auf 40.000 Tonnen verdoppeln. Darüber hinaus habe LANXESS die vor Ort eingesetzte Technologie an die seiner Nd-PBR-Anlagen in Deutschland und den USA angepasst.
Nd-PBR wird vor allem im Profil und in den Seitenwänden von "Grünen Reifen" eingesetzt. Diese Kautschuksorte soll den Energieverbrauch effizienter reduzieren als viele andere Reifenkautschuke. Sie soll zudem den Reifenabrieb verringern und soll so in hohem Maße dazu beitragen, dass Autos sicherer, wirtschaftlicher und umweltverträglicher werden.
Aufrüstung der Kautschuk-Technologie in Triunfo In einer Machbarkeitsstudie an seinem brasilianischen Standort Triunfo hat LANXESS den weiteren Angaben zufolge zudem bereits die Einführung einer neuen Technologie untersucht. Mit dieser lasse sich die Produktion von Emulsionsstyrol-Butadien-Kautschuk (ESBR), der in herkömmlichen Reifen verwendet werde, auf die Produktion des in "Grünen Reifen" eingesetzten Lösungs-Styrol-Butadien-Kautschuks (SSBR) umstellen. Die Kapazität für ESBR in Triunfo liege derzeit bei 110.000 Tonnen im Jahr. Für eine Umstellung auf SSBR wäre voraussichtlich eine Investition im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich erforderlich. Die endgültige Entscheidung darüber soll Mitte 2012 getroffen werden.
SSBR wird vor allem im Profil von "Grünen Reifen" eingesetzt. Diese Kautschuksorte reduziere den Rollwiderstand des Reifens und verbessere gleichzeitig seine Haftung auf nassen Straßen. "Grüne Reifen" zeigten ihre besten Fahreigenschaften, wenn sie sowohl SSBR als auch Nd-PBR enthalten, heißt es weiter.
Erfolgreiches Wachstum in Brasilien Die jüngsten Investitionen sind Teil der zunehmenden Präsenz von LANXESS in Brasilien. Der deutsche Konzern, der 2008 das brasilianische Unternehmen Petroflex kaufte, startete hier vor sieben Jahren mit mehr als 400 Mitarbeitern. Inzwischen sieht sich LANXESS mit rund 1.000 Mitarbeitern als eines der größten Chemieunternehmen im Land.
Für LANXESS-Produkte gilt Brasilien als einer der wichtigsten und am schnellsten wachsenden Märkte. Noch im Jahr 2005 steuerte das Land weniger als ein Prozent zum globalen Umsatz bei, während es heute bereits rund zehn Prozent zum Konzernumsatz von LANXESS beitragen soll. 2010 verzeichnete das Unternehmen in Brasilien mit 701 Millionen Euro einen Rekordumsatz. Heitmann: "Auch für 2011 sind wir auf einen guten Weg, ein Rekordjahr zu erzielen."
Angesichts der Bedeutung der nachhaltigen Mobilität für das Land richtete LANXESS am 6. Oktober in São Paolo seinen ersten "Automotive Day in Brasilien aus. An der eintägigen Konferenz nahmen führende Vertreter der Auto- und Reifenindustrie aus Brasilien und Lateinamerika teil. Insgesamt wurden über 400 Besucher zu der Veranstaltung erwartet.