Standard-Thermoplaste April 2020 -- K Messe

23/06/2020

KI - Polymerpreis-Reporte

Standard-Thermoplaste April 2020

Überwiegend kräftige Abschläge / Erzeuger versuchen sich an Schadensbegrenzung / Meist hälftige Weitergabe der Vorprodukt-Einbrüche / Nachfrage uneinheitlich

Der Polyethylenmarkt gab im April ein sehr uneinheitliches Bild ab, beeinflusst von Abnehmermärkten und Verfügbarkeiten. Die Erzeuger versuchten die Weitergabe des neuerlichen substanziellen Abschlags beim Ethylen-Kontrakt auf 80 EUR/t zu begrenzen. Bei einigen der Typen gelang ihnen das, dann aber vornehmlich wegen der Verknappung einzelner Qualitäten oder starker Nachfrage. Im Mittel kam es zur Weitergabe von etwa der Hälfte der C2-Reduktion, bei HD-Rohrtypen dagegen ging der C2-Abschlag fast komplett durch.


Dem Absturz bei Propylen um 175 EUR/t im April hatten die Polypropylen-Notierungen nichts entgegenzusetzen. PP verzeichnete ebenfalls dreistellige Abschläge, auch wenn die Produzenten die Kostenreduktion nicht in voller Höhe an die Kunden weitergaben. Die Versuche der Erzeuger, die Abschläge auf 80 EUR/t zu begrenzen, hatten in der Regel keinen Erfolg. Während die Preissenkungen bei den Automotive-nahen Werkstoffen höher ausfielen, wirkte bei Verpackungsmaterialien die robuste Nachfrage stützend.


Auch PVC wurde vom Ethylen-Einbruch kräftig nach unten befördert. Einige Produzenten versuchten bereits im Vorfeld, die Höhe der Abschläge auf 50 EUR/t zu begrenzen. Angesichts des vorherrschenden Überangebots war dies jedoch nicht haltbar. Bei S-PVC (U) und S-PVC (P) fing zudem der geringere Umfang der Preisnachlässe für Weichmacher, Stabilisatoren oder anderen Beimischungskomponenten die Abschlagshöhe ab.


Die rasante Talfahrt der Notierungen für Styrolkunststoffe setzte sich nach dem Absturz der SM-Referenz (-315 EUR/t) im April 2020 ungebremst fort. Die Preise für PS und EPS rutschten auf die tiefsten Stände seit zehn Jahren, und ABS war so billig wie zuletzt 2015. Die Produzenten gaben die Kostenreduktionen in der Regel nicht in vollem Umfang weiter, da sie noch auf teurer produzierten Altbeständen saßen. Jedoch räumten sie im Monatsverlauf zunehmend höhere Abschläge ein.


Die Lage im europäischen und weltweiten PET-Markt blieb im April 2020 unübersichtlich. Der starke Abwärtsimpuls durch den Preisabsturz des Vorprodukts PX im März wurde durch eine kräftige PET-Nachfrage für Verpackungen von Desinfektionsmitteln abgefangen. Die gute Nachfrage erlaubte erstmals seit längerem Lagerabbauten, sodass das Angebot zunehmend auf Normalstand zurückfuhr.


Weitere meist kräftige Abschläge bei den Vorproduktnotierungen werden im Mai auch die Polymere erneut nach unten treiben. Ausnahme könnten die Styrolkunststoffe sein, da Styrol offenbar bereits den Boden findet. Mehr und mehr denken die Erzeuger über eine aktive Angebotssteuerung – sprich: Anlagendrosselungen – nach. Das Anfahren der Automobilproduktion könnte bei einigen Typen zudem für eine Belebung der Nachfrage sorgen. Andererseits wird der von Feiertagen geprägte Mai dämpfend auf die Abnahmen wirken. Zudem sind einige Abnehmer-Folgebranchen noch immer von Kapazitätseinschränkungen betroffen. Insgesamt herrscht erheblicher Druck auf die Sekundärmaterialien, die mittlerweile häufig teurer als Primärware sind.
Mit dem erneut niedrigeren Ethylen-Kontrakt Mai wird es für die Mehrzahl der PE-Typen weiter abwärts gehen. Ähnliches ist für PP zu erwarten, nachdem sich Propylen noch einmal um 80 EUR/t verbilligt hat. Das allmähliche Wiederanfahren der Automobilproduktion dürfte eine Zeitlang dauern, sodass der Bedarf zunächst schwach bleiben wird und auf einen langen Markt trifft.


PVC-Erzeuger werden – wie industrieweit üblich – nur einen Teil der Kostenermäßigungen weitergeben wollen. Dennoch ist nach dem neuerlichen C2-Abschlag von 100 EUR/t mit weiteren mehr oder weniger deutlichen Preisrückgängen bei PVC zu rechnen.


Im Mai werden die PS- und EPS-Verarbeiter auf weitere Ermäßigungen drängen, nachdem die SM-Referenz noch einmal – wenn auch nur geringfügig – um 13 EUR/t nach unten ging. Zumindest bei Hochlagen, die aus großen Unterschieden bei den Preissenkungen entstanden sind, dürften Nachjustierungen wahrscheinlich sein. Bei ABS dürften die Rückgänge etwas höher ausfallen, nachdem die Mischungskomponente Butadien noch einmal kräftig Federn gelassen hat.


Der kostenseitige Abwärtsdruck bei PET bleibt wohl bestehen. Andererseits dürften die Nachfrageimpulse für Hygiene- und Wasserflaschen kaum nachlassen, solange die Corona-Krise sich fortsetzt. Möglicherweise werden sich die Preise daher je nach Vertragsmodell noch weiter ausdifferenzieren.

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