Wo PMMA an Grenzen stößt – nämlich bei sehr dicken Linsen –, kommt Polycarbonat ins Spiel. Gut sehen lässt sich das am LED-Scheinwerfer. Seine Sammellinsen, sogenannte Kollimatorlinsen, bündeln das Licht und müssen aus physikalischen Gründen 15 bis 30 Millimeter dick sein, oft mehr. Das ist beim Spritzgießen knifflig: Je dicker das Bauteil, desto stärker schrumpft es beim Abkühlen – und desto länger dauert das. Herkömmlich gegossen, braucht eine solche Linse laut Covestro 15 bis 20 Minuten pro Stück.
Dass hier überhaupt Kunststoff funktioniert, liegt an den LEDs: Sie werden längst nicht mehr so heiß wie frühere Halogen- oder Xenon-Lampen. Covestro löst die Fertigungsfrage nach eigenen Angaben auf zwei Wegen – mit speziell auf LED-Licht abgestimmten Makrolon-Typen und mit einem Verfahren, das die dicke Linse in mehreren dünnen Schichten gießt. So entstehen die Linsen schneller und präziser, in Formen, die aus Glas gar nicht machbar wären. Auch anderswo nutzt man Polycarbonat für Optik, etwa für die großen, gebogenen Touchscreens im Auto.