Wie lässt sich der Ressourcenschutz durch mehr Effizienz beim Compoundieren verbessern?
Peter Von Hoffmann: Effizienz ist das zentrale Ziel bei Coperion. Dafür stehen alle unsere Technologien für das Compoundieren und Recycling von Kunststoff. So zum Beispiel unser ZSK Doppelschneckenextruder, den wir aktuell in der Generation ZSK Mc18 anbieten. Er erzielt äußerst hohe Durchsätze bei relativ geringem Energieverbrauch und hohem Automatisierungsgrad. Zahlreiche Zusatzaggregate wie Seitenbeschickung, Entgasung oder Condition Monitoring steigern seine Leistungsfähigkeit – so dass unsere wertvollen Ressourcen sehr gezielt eingesetzt und mit hoher Effizienz der maximale Output gewonnen wird.
Wie erzielen Sie diese Effizienzsteigerung?
Von Hoffmann: Bleiben wir beim Beispiel ZSK Extruder. Um diese hohe Leistungsdichte zu erzielen, müssen sämtliche Prozessparameter des Extruders richtig bestimmt werden. Es müssen die mechanischen Größen festgelegt werden, die das hohe Drehmoment auf die Doppelschnecke übertragen. Hinzu kommen verfahrenstechnische Faktoren, die beim Compoundieren konstant die hohe Produktqualität erzielen. Das ist die Basis: ein Zusammenspiel von “old technology”, Verfahrenstechnik und Automatisierung. Hier kommt uns unser großer Erfahrungsschatz im Bau von Doppelschneckenextrudern sehr zugute.
Welche Rolle spielt die Digitalisierung?
Von Hoffmann: Wenn das Fundament steht, kommt die Digitalisierung hinzu. Mit unserer digitalen Plattform C-BEYOND kann ein Operator die Betriebsdaten seiner Anlage jederzeit einsehen. Sie stehen in Form von aufschlussreichen Auswertungen in Echtzeit zur Verfügung. Wichtige Informationen zu den Leistungskennzahlen, den KPIs, einer Produktionslinie, wie zum Beispiel Verfügbarkeit, Produktionsmenge und Produktqualität, werden auf einen Blick deutlich. Mit C-BEYOND kann der Produktionsverlauf detailliert dokumentiert und die Terminierung von Wartungsarbeiten optimiert werden. Zudem ermittelt C-BEYOND den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen pro produziertem Kilogramm Compound. Mit dem Overall Equipment Effectiveness Tool, kurz OEE Tool, kann sich der Kunde die Effizienz seiner Anlage anzeigen lassen und bei Abweichungen schnell reagieren.
Wie kommen solch digitale Produkte bei den Kunden an?
Von Hoffmann: Wir haben C-BEYOND zunächst bei einer Reihe von Testkunden eingeführt. Inzwischen wollen immer mehr Kunden ihre Anlagen damit nachrüsten, um von den zahlreichen Features zu profitieren. Wir bieten zum Beispiel ein digitales Life-Cycle-Management an. Der Kunde bekommt damit vorausschauend einen Wartungsplan, der angezeigt, wann Wartungsmaßnahmen für ein Aggregat anstehen, etwa das Wechseln von Getriebeöl. Mit einem Condition Monitoring System erheben wir die tatsächliche Belastung eines Extruders. Der Kunde bekommt einen Hinweis, sobald Unregelmäßigkeiten im Extruderbetrieb auftauchen und kann Servicemaßnahmen mit ausreichend Vorlauf planen. Ebenfalls digital über C-BEYOND wird der Stromverbrauch der Anlage und jedes Aggregats angezeigt. Man erkennt dann sofort Auffälligkeiten und kann gegensteuern. C-BEYOND ist über eine App auch auf dem Smartphone einsehbar. So kann sich auch der Firmenchef alle Live-Daten der Maschinen von überall her ansehen.
Sehen Sie bei Ihren Kunden einen Trend zum Kauf von Gesamtanlagen?
Von Hoffmann: Diesen Trend gibt es. Wir bei Coperion bieten alles an, sowohl Einzelequipment, etwa eine Dosierung, eine Zellenradschleuse oder einen Extruder, als auch ganze Anlagen. Es kommt sehr auf die jeweilige Anwendung der Anlage an und auch darauf, wo sie installiert wird. Wir haben Kunden, die Einzelaggregate von uns kaufen. Wenn die Anlagen für andere Länder bestimmt sind, wollen sie häufig auf Nummer sicher gehen und kaufen von uns eine gesamte Anlage. Sie nutzen dann den Mehrwert, dass sie mit uns einen Partner haben, der ihnen alles liefern kann. Wir haben das Spezialwissen für die einzelnen Maschinen ebenso wie für das Gesamtanlagen-Know-how.